Vom Weltkrieg zu Star Wars: Die Musik

John Williams liess sich für seine bewegende Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold inspirieren. Das Leben dieses legendären Komponisten wurde durch den zweiten Weltkrieg verändert.

Kaum war die Nachricht eingetroffen, dass der Soundtrack zu Star Wars: Das Erwachen der Macht am 18. Dezember erscheinen wird, freute ich mich mehr als je zuvor auf die neue Star Wars Musik. Sind die Inspirationen und Verbindungen zu Star Wars Filmmusiken auch vielfältig, so gehört der Einfluss des Komponisten Erich Wolfgang Korngold aus dem Goldenen Zeitalter zu den interessantesten. Schließlich veränderten dessen Kriegserlebnisse die Filmmusik für immer!

Von Beginn an beeindruckte John Williams Score zu Star Wars: Eine neue Hoffnung Fans wie Kritiker. 1977 schrieb der Filmkritiker Charles Champlin in der Los Angeles Times, John Williams habe eine „großzügig dimensionierte Filmmusik mit galoppierenden Streicherpartien, donnernden Bässen und funkelnden Hörnern für hochwertige Tonanlagen geschrieben, deren Darbietung durch das London Symphony Orchestra die Zuhörer aus den Sesseln hebt.“

Champlin hat die Tiefe des Orchesterscores von Star Wars: Eine neue Hoffnung perfekt beschrieben. Tatsächlich ist die Star Wars Musik von solcher Komplexität, wie ich sie hier niemals in Gänze beschreiben könnte. Zu behaupten, es hätte nur eine Inspiration zur Musik von Star Wars existiert, wäre ungerecht. Dennoch kann man sicher sagen, dass dieser vielschichtige, brillante Score zu großen Teilen von den Komponisten des Goldenen Zeitalters beeinflusst worden ist.

John Williams

In einem Interview mit Star Wars Insider sprach John Williams 1998 über diese Einflüsse: „Mich haben die europäischen Emigranten aus den 1930er Jahren besonders fasziniert. Leute wie Max Steiner und Erich Korngold, aber auch Vernon Duke und Kurt Weill, die zusammen mit [den Regisseuren] Billy Wilder und Ernst Lubitsch nach Hollywood kamen. Sie brachten diese tolle europäische Kultur mit. In gewisser Weise sind meine Kollegen und ich die künstlerischen Urenkel dieser Männer. Wir durften von der vielfältigen Tradition profitieren, die sich dort in den frühen Tagen der Tontechnik in den 1930er und 1940er Jahre entwickelt hatte.“

„Ich bin gerade alt genug, um noch viele dieser wunderbaren Menschen getroffen und mit ihnen zusammengearbeitet zu haben“, fährt Williams fort. „Ich empfinde es als Privileg, diese Erfahrung in meiner musikalischen Laufbahn gemacht haben zu dürfen. Und genau deshalb bin ich in Situationen gekommen, die mir wunderbare Möglichkeiten eröffnet haben, wie die Zusammenarbeit mit George Lucas.“

Zum Beweis für diese Einflüsse braucht man nicht weiter zu gehen, als das ikonische musikalische Star Wars Leitmotiv mit dem Soundtrack für den Film King’s Row zu vergleichen. Beim genauen Zuhören entdeckt man an vielen Stellen einige bekannte Noten und Melodien. Der schon zuvor erwähnte Erich Wolfgang Korngold hatte die Filmmusik komponiert. Hätte es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, wäre vielleicht nie ein Korngold-Score für King’s Row entstanden.

Erich Wolfgang Korngold wurde am 29. Mai in Brno im damaligen Kaisertum Österreich auf dem Gebiet des heutigen Tschechien geboren. Der Sohn des führenden Wiener Musikkritikers war ein Wunderkind. Schon mit elf Jahren komponierte er sein erstes Werk: eine Ballettpantomime, die er selbst vor Kaiser Franz Josef vortrug. 1916 zog man ihn in die österreichische Armee ein, wo er bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 hauptsächlich als Pianist tätig war.

Erich Wolfgang Korngold

Korngold arbeitete für die Oper, das Theater und schließlich auch im Film, als er 1934 nach Los Angeles ging, um dort die Musik zu Ein Sommernachtstraum (1935) zu schreiben. 1938 schlug er zuerst das Angebot für die Musik zu Errol Flynns Film, Die Abenteuer des Robin Hood, aus, in der Erwartung, regelmäßig in seine österreichische Heimat zurückkehren zu können.

Am 12. Februar 1938 besuchte ihn jedoch sein Filmkomponistenkollege Leo Forbstein zuhause, um ihn umzustimmen – was ihm auch in der Folge weiterer Ereignisse an diesem Tag gelang. Denn an diesem Tag unterzeichnete der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg ein Abkommen mit Adolf Hitler, das schlussendlich zur Besetzung Österreichs durch die Deutschen führte. Der Jude Korngold sah voraus, was diese Einigung mit Hitler für sein Land bedeuten würde, und blieb in Hollywood, um vorerst auf Wochenbasis an Robin Hood zu arbeiten.

Nicht nur wurde das verwegene Abenteuer ein Hit, auch Korngolds Filmmusik war brillant und brachte ihm 1938 einen Oscar ein. Damit ebnete er auch anderen Filmkomponisten als Pionier den Weg: Bis dahin war der Oscar stets an den Leiter der Musikabteilung des Filmstudios verliehen worden, nicht den Komponisten selbst. Ab diesem Zeitpunkt ging der Oscar jedoch direkt an den Verfasser der Musik. Heute, fast 80 Jahre später, hat John Williams den Oscar fünf Male gewonnen und führt die Liste aller Filmkomponisten mit 48 Nominierungen (Stand 2014) an.

Wegen des Zweiten Weltkriegs blieb Erich Korngold in den Vereinigten Staaten und schrieb die Melodien, die später auch die Musik zu Star Wars beeinflussen sollte. Heute freue ich mich dank Star Wars: Das Erwachen der Macht darauf, einen brandneuen Soundtrack von dem großen John Williams zu hören. Und ich kann es kaum erwarten, zu entdecken, welche klassischen Filmmusiken dieses Mal als Inspiration Eingang in die nächste Generation von Star Wars Leitmotiven gefunden haben.

Cole Horton ist Historiker und Ko-Autor des brandneuen Buches Star Wars: Absolut alles, was Du wissen musst von Dorling Kindersley. Er schreibt auch für Marvel.com und runDisney.com sowie auf Twitter unter @ColeHorton.

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