Star Wars at 40 | „Ich wusste, wir würden etwas Neues erschaffen“: Dennis Murens Gedanken zu Star Wars: Eine neue Hoffnung

Die Legende der visuellen Effektkünstler blickt auf den Film zurück, mit dem alles begann.

Gäbe es einen Mount Rushmore für Star-Wars-Größen, wäre Dennis Muren ein Platz dort sicher. Muren war schon bei Industrial Light & Magic, der Spezialeffektsparte von Lucasfilm, seit das Unternehmen 1975 zur Vorbereitung auf Star Wars gegründet wurde. Unter seiner Leitung oder Mitwirkung haben sich bedeutende Fortschritte bei den Möglichkeiten visueller Effekte vollzogen, von den bahnbrechenden optischen Höhepunkten der ursprünglichen Star Wars-Trilogie bis hin zu den unfassbar realistischen digitalen Dinosauriern in Jurassic Park. Heute ist er Kreativdirektor von ILM und eine wahre lebende Legende. Zu Feier des 40-jährigen Jubiläums von Star Wars hat StarWars.com mit Muren über seine Arbeit als Effekt-Kameramann bei dem Film gesprochen, mit dem 1977 alles begann – Star Wars: Eine neue Hoffnung. Wir haben uns darüber unterhalten, wie er zu dem Job kam, welche Techniken eingesetzt wurden, um die innovativen Effekte des Films zu erschaffen, und welche Wirkung die Saga bis heute hat.

StarWars.com: Wie ist es dazu gekommen, dass du bei ILM gelandet bist und in Star Wars einbezogen wurdest?

Dennis Muren: Also, ich war bei einer Firma namens Cascade [Pictures], die Effekte für Werbespots produziert hat, und ich habe dort über Jahre hinweg immer wieder mal gearbeitet. Dann machte der Laden dicht, und ich hatte gehört, dass George [Lucas] – und ich kannte George damals nicht – einen Weltraumfilm drehen wollte. Da dachte ich mir: „Oh, das wäre ziemlich cool, daran mitzuarbeiten.“ Ich hab’ mich mit jemandem in Verbindung gesetzt, ich weiß nicht mehr, mit wem, und hab’ ein Bewerbungsgespräch bei John Dykstra und Richard Edlund bekommen. Gedreht wurde da noch gar nichts. Sie waren gerade dabei, die Modelle zu bauen und sich in Van Nuys [in Los Angeles, Kalifornien] einzurichten. Ich habe ihnen meine Arbeit gezeigt. Irgendwie habe ich mich Ihnen als Effekt-Kameramann verkauft, obwohl ich mich eher als Hansdampf in allen Gassen gesehen habe. Aber in Hollywood muss man sich einen Stempel aufdrücken, weil immer eine bestimmte Stelle besetzt werden soll. Also habe ich mich für die Stelle entschieden, bin reingekommen und hätte nie damit gerechnet, dass ein so riesiger Hit daraus werden würde.

StarWars.com: Hat sich deine Rolle gegenüber dem, wie du dich angepriesen hast, später ausgeweitet?

Dennis Muren: Ja, aber ich wusste nicht genau, worin sie bestand oder bestehen würde. Ich hatte so etwas mit all der Technologie vorher noch nie gemacht, und nachdem ich 2001 gesehen hatte, war ich neugierig. Ich dachte mir: „Hier läuft etwas, das ich nicht kenne.“ Denn ich kannte die Effekte der alten Schule, alles von Cascade und die Effekte von King Kong und die Sachen von Ray Harryhausen und John Fulton mit Modellen und dergleichen. Aber ich dachte mir, hier kommt etwas zum Einsatz, von dem ich nichts weiß, und das war meine Chance, es zu lernen. Ich wusste also gar nicht, was mich erwarten würde, als ich dort ankam. Ich hatte keine Ahnung. [Lacht.]

StarWars.com: Damit kommen wir auch schon zu meiner nächsten Frage. Als du dort angekommen bist und die ersten Einblicke erhalten hast, was hast du davon gehalten und über das gedacht, was ihr für George Lucas erreichen solltet?

Dennis Muren: Na ja, George habe ich erst mal drei Monate nicht gesehen, weil er zu Dreharbeiten in England war. Deshalb hatte ich mit John oder Richard und den anderen Leuten zu tun, die da waren. Viele waren es damals noch nicht, vielleicht 30, vielleicht auch weniger. Nur am Vorbereiten, und es wurde diese Kameraausrüstung gebaut, was ewig zu dauern schien. Mit einem Teil der Ausrüstung, die man bereits hatte, habe ich Kameratests durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Objektive funktionierten, und Tests mit der Beleuchtung. Ein Teil des Grabenmodells wurde gebaut, ein paar Schiffe und Prototypen, und ich habe Aufnahmen entweder auf Film- oder Fotomaterial gemacht, um sich das Ganze auf Film anzusehen. Es wurde also Zeit durch Vorarbeiten genützt, bis George mit geschnittenen Sequenzen ankam, damit man anfangen konnte, die Effekte zu drehen, denn vorher wusste man nicht wirklich, worum es ging.

Wir haben versucht, einige Frontprojektionen aufzunehmen beziehungsweise Hintergrundmaterial für die Geschützpfortensequenz der umherfliegenden TIE-Schiffe zu liefern. Diese Szenen haben wir dann auch aufgenommen, und man wollte sie drüben [in England] mit Frontprojektion verwenden. Aber es bestand keine Chance, dass die Schauspieler wirklich Zeit hatten, die Projektion zu sehen. Der TIE sollte vorbeiziehen, dann sollten sie mit ihm schwenken, um alles real wirken zu lassen. Also wurde all das rausgeworfen und durch Bluescreen-Technik ersetzt. Und danach kann man es exakt synchronisieren, und die Schauspieler können so tun, als würden sie etwas sehen. Das war viel besser, als es am Set zu probieren, aber George wollte es eben versuchen. Das war also das erste Material, das wir wirklich geliefert haben, nur ist es nicht im Film gelandet.

Und dann, als wir zurückkamen, haben wir uns erst richtig ins Zeug gelegt und angefangen, und auch die Ausrüstung wurde endlich fertig. Alles sehr futuristisch. Es waren Zeitlupenkameras – alles mit Motoren über einen Computer gesteuert, und weitere 11 Motoren oder so, um die Kamera nach links, nach rechts, nach oben und nach unten zu schwenken. Auslegerarm, Tracking vorwärts und rückwärts und all so was.

StarWars.com: War das das Dykstraflex?

Dennis Muren: Ja. Man hatte eine weitere Version davon, die mit einer der alten Technorama-Kameras von Technicolor gebaut war, die auch in VistaVision aufnahm. Die hatte zwar nicht den Ausleger, aber sonst alle Möglichkeiten.

Eine einzige Szene hat schier ewig gedauert. Wollte man ein Raumschiff filmen, das statisch sein musste, aber in Flugbewegung sein sollte, konnte man quasi mit der Kamera mitfliegen, darauf schwenken und sie dann nach unten neigen, um den Eindruck zu erwecken, das Schiff würde heranfliegen und dann nach oben ziehen. Das hätte sich sehr leicht mit einem Dolly, einem Kameraführer zum Schieben des Dollys und jemandem bewältigen lassen, der das Raumschiff auf Drähten bewegt hätte. Das hätte ich in einer Stunde oder weniger hinbekommen. Die ganze Szene. Mit all den Motoren und Probeaufnahmen konnte das mit der Bewegungssteuerung [mit dem Dykstraflex] einen halben Tag oder länger dauern. Ich dachte mir nur: „Das ist irre, aber was soll ich machen? Mal abwarten, was passiert.“

Was mir allerdings erst klarwurde, als die Sache vorbei war, das war die unglaubliche Kontrolle, die man über die Gestaltung der Aufnahmen bekam, weil es keine Zufälle gab. Alles musste im Voraus geplant werden, genau wie bei CG. Man musste sich haargenau überlegen, wie sich die Kamera bewegen sollte, wie sich das Modell bewegen sollte, wie alles funktionieren sollte. Aber dann konnte man jedes Bild erschaffen, das man wollte, solange man die Elemente einzeln aufnahm – alles separat, und später konnte man es kombinieren. Es war phänomenal. Das hat mir echt die Augen geöffnet.

Die Leute [die ebenfalls am Film mitgewirkt haben] waren völlig andere Persönlichkeiten als ich. Ich war eher ein introvertierter, hemdsärmeliger Mensch, die anderen waren so was wie Wochenendrennfahrer und Hobby-Biker, die ihren Spaß an der Sache hatten. Meine Einstellung war: „Oh mein Gott, wir kriegen den Film nie fertig!“ Ich meine, darüber haben sich alle Sorgen gemacht. Ich war einfach anders. Ich hab’ Ken Ralston als meine Assistenten dazugeholt – und er war sehr wie ich. Später dann habe ich auch Phil Tippett und Jon Berg und weitere Leute für Das Imperium [schlägt zurück] mit an Bord gebracht.

Ehrlich, während der gesamten Dreharbeiten hatte ich keine Ahnung, dass ein Erfolg daraus werden würde. Das war einfach alles zu schräg. Verstehst du, laut Drehbuch waren da diese Kerle, die auf so etwas wie einem künstlichen Weltraumplaneten durch Korridore rannten, und ein Typ in einem Hundekostüm, der mitgedackelt ist, dazu noch dieser Roboter, der irgendwie an den Blechmann aus Der Zauberer von Oz erinnert hat. So hat es buchstäblich gewirkt, weil wir immer nur kleine Teile davon gesehen haben. George wollte uns nie besonders viel zeigen, nur Fotos. Da denkt man sich dann einfach: „Was ist das denn? Na ja, auf jeden Fall interessant.“ Ich habe George für THX [1138] und [American] Graffiti aufrichtig bewundert, und deshalb wollte ich bei der Sache auch mitmachen. Einer der Hauptgründe war, ihn kennenzulernen und mit ihm zu arbeiten, und Mann, wie hat er das Ding durchgezogen! [Lacht] Es war verblüffend – absolut verblüffend.

Wir haben das Endergebnis bei der Vorführung für die Besetzung und die Crew gesehen, und wir waren hin und weg. Ich hatte gerade eine Lungenentzündung, als wir den Film gesehen haben. Damals habe ich gerade an Unheimliche Begegnung [der dritten Art] gearbeitet und war krank, als ich hinkam, aber es ging mir gut genug, um mich in den Saal zu setzen und mir das Ding anzusehen. Und sogar unter Medikamenteneinfluss …

StarWars.com: Hat es funktioniert!

Dennis Muren: Hat es, ja. [Lacht] Noch während das Raumschiff in der ersten Einstellung vorbeifliegt, ist das Publikum, die Hälfte davon Leute, die am Film mitgearbeitet hatten, die andere Hälfte ihre Ehemänner und Ehefrauen, total ausgeflippt.

StarWars.com: Jetzt bin ich aber neugierig. Das klingt so, als hättest du nicht gewusst, ob der Film an sich oder die Effekte funktionieren würden, bis du das Endergebnis gesehen hast. Aber die Auswirkungen der Effekte in Star Wars waren so gewaltig. Hattest du während der Arbeit daran das Gefühl, dass ihr etwas Neues gemacht habt, etwas, das den Lauf der Dinge verändern würde?

Dennis Muren: Nein. Ich wusste schon, wir würden etwas anderes erschaffen. Aber ich dachte nicht unbedingt, dass es alles verändern würde, weil ich nicht fand, es wäre auch nur annähernd so realistisch wie 2001. Bei dem Film hatte man auf dieselbe Weise gearbeitet, nur ohne die ganze Flexibilität der Kameras und den Bluescreen, und gerade das hat sagenhaft ausgesehen. Für mich haben die meisten Aufnahmen der Arbeit an Star Wars, während wir sie gemacht haben, eher unausgegoren ausgesehen. Die Schiffe haben eigenartige Manöver hingelegt, schienen überhaupt nicht so zu reagieren, wie die Massenträgheit es in Wirklichkeit bedingen würde, und in einigen Aufnahmen waren riesige Matte-Linien.

Für mehr hatten wir keine Zeit. Ist eigentlich ein Wunder, dass einige der Aufnahmen überhaupt im Film gelandet sind, weil sie so überhastet entstanden sind. Beim Schnitt wurden ständig Dinge geändert. Es wurden neue Aufnahmen und so gebraucht, deshalb haben wir gegen Ende praktisch rund um die Uhr gearbeitet.

Aber ich habe nichts davon gesehen, bis der Film herauskam, und ich war genauso überrascht wie jeder andere, dass die Effekte eine so gewaltige Reaktion hervorgerufen haben. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich dafür eine Erklärung habe. Vielleicht ist es so, dass ich nur die Technik an allem sah, während die Öffentlichkeit Vergleiche mit anderen Filmen mit Raumschiffen zieht, bei denen alles mit statischen Kameras gemacht wurde. Nur hätte ich nicht gedacht, dass die Öffentlichkeit darauf achten würde. Eine andere Möglichkeit ist, dass in Wirklichkeit gar niemand darauf achtet. Sondern die Geschichte verfolgt. Dass nur die Geschichte verfolgt wird und sie so packend ist. Wenn man die Geschichte richtig erzählt, ganz gleich, wie real sie bebildert ist, dann gibt es dafür keine Worte, wenn man die Leute um eine Erklärung für ihre Faszination ersucht. Tendenziell würden sie sagen: „Na ja, die Weltraumschlacht war spitze.“ Aber das meinen sie nicht wirklich. In Wirklichkeit meinen sie, dass die Geschwindigkeit, mit der Han am Ende vom Todesstern entkommt, phänomenal ist, aber sie kennen sich nicht gut genug aus, um das auszudrücken. Kurzum, so richtig verstehe ich es immer noch nicht.

StarWars.com: Ich denke gerade an die Aufnahme, wie der X-Flügler in der Egoperspektive in den Graben des Todessterns taucht, die selbst heute noch gut aussieht. Mir fällt kein anderes Raumschiff in einem Film davor ein, das je so schnell gewirkt hat. Konntest du solche Dinge damals als einen technischen Sprung vorwärts erkennen?

Dennis Muren: Nein, konnte ich nicht. Ist das nicht verrückt? Hätte ich eigentlich schon merken sollen. [Lacht] Ich kannte die technischen Abläufe so gut. Sobald ich die technischen Abläufe durchschaut hatte, konnten wir praktisch alles machen. Das war ein weiterer Aspekt. „Klar können wir so eine Aufnahme machen.“ Ich habe so viel gesehen, vor allem, wenn man mein Alter damals bedenkt. Es ging weniger darum, das große Ganze zu sehen, sondern mehr um die Technologie selbst und das Anpassen an eine völlig neue Technologie, bei der keiner wusste, wie man damit umgeht, und man erst herausfinden musste, wie man damit durch die Aufnahmen kommt. Ich hatte nicht genug Abstand, um zu erkennen, was die Öffentlichkeit sehen würde, was bei Filmen oft der Fall ist. Das weiß der Regisseur, weil er es mit einem hoffentlich klaren Bild vor Augen schreibt. Die Effektleute bekommen das oft erst dann mit, wenn sie den fertigen Film sehen. Aber ich denke, andere Leute, die daran mitgearbeitet haben, konnten es sehen und waren begeistert davon.

StarWars.com: Wie hast du das Risikoelement damals empfunden? Für mich ist interessant, dass er diesen Film gemacht hat, den eine Menge Leute nicht verstehen konnten, und dass er gleichzeitig sein eigenes Effektunternehmen gegründet hat, was ja an sich schon ein großes Unterfangen ist. Hast du dir gedacht: „Die ganze Situation ist schon irgendwie verrückt. Was machen wir hier eigentlich?“

Dennis Muren: Mir hat er leidgetan, als es sich damit hingezogen hat, dass die Aufnahmen nichts wurden, weil die Kameras und anderer Kram noch nicht bereit waren. Wir konnten es einfach nicht wirklich umsetzen. Wir haben einen Produktionsleiter gebraucht, und wir haben einen bekommen. Ich weiß nicht mehr, wann es genau war – vielleicht im September –, da kam so ein Kerl namens George Mather an Bord und nahm die Dinge einfach in die Hand. Er hat gesagt: „Okay, das Dykstraflex. Das benutzen wir jetzt nicht nur tagsüber, wir benutzen es Tag und Nacht.“ Ich habe die Nachtschicht übernommen, weil Richard das System tagsüber benutzen wollte, was toll war, weil die Schicht von vier Uhr bis Mitternacht ging. War also nicht unzumutbar. Aber ich wurde bei der Arbeit nicht unterbrochen und konnte viel erledigen. Wir haben alle Kameras eingesetzt, was den Output der Produktion auf Anhieb mehr als verdoppelt hat. Er kam aus der Filmbranche und wusste, wie man umsetzt, was George wollte, und er war sich mit George und Gary [Kurtz] einig, dass wir den Film hinbekommen mussten und es machbar war. Man muss daran glauben, dass man es schaffen kann.

Die ganze Sache mit der Macht ist irgendwie bezeichnend für George. Da ist schon was dran. Nicht, dass es jetzt etwas Kosmisches wäre. Er mag das vielleicht glauben, keine Ahnung, aber in Wirklichkeit geht es darum, „niemals aufzugeben“. Das ist wirklich wahr. Wenn man daran glaubt, dass man etwas schaffen kann, dann fällt einem in der Regel auch ein Weg ein, es umzusetzen und zu bewerkstelligen. Er hatte da so einen Spruch: „Es ist nichts verwerflich daran, in Schwierigkeiten zu geraten, aber es ist verwerflich, nicht wieder rauszukommen.“ Und wir waren in Schwierigkeiten und die Produzenten mussten uns rausholen, indem sie George Mather ins Spiel gebracht haben, was total funktioniert hat.

StarWars.com: Ich habe ein paar Fotos von der Produktion ausgedruckt, die ich dir zeigen wollte. Sag uns doch bitte, was genau du auf dem jeweiligen Foto machst und welche Erinnerungen du mit jeder bestimmten Effektaufnahme verbindest.

Dennis Muren: Das ist eine der vielen Aufnahmen, wo der Todesstern angeflogen wird, als man ihn zum ersten Mal sieht. Es gibt ungefähr fünf Aufnahmen, in denen sie sich ihm nähern, ihn anfliegen. Da sind wir gerade dabei, eine davon zu drehen, und die Belichtung ist auf das Highlight des Todessterns ausgerichtet, und auf der dunklen Seite haben wir diese Karte hier, um Licht darauf zu werfen. Da ist ein weiteres etwas schwächeres Licht vorne, und die Aufnahme erfolgt vor einem Bluescreen, um sie später über etwas anderes einfügen zu können.

StarWars.com: Warum wurde das Modell im Vergleich zur Größe der anderen Modelle so riesig angefertigt?

Dennis Muren: Mit der Größe der Modelle hatte ich überhaupt nichts zu tun, aber das hier musste wegen der winzigen Male darauf so groß sein. Was man hier sieht, ist die Hälfte einer Kuppel, und dahinter haben wir ein Stück Frost, glaube ich, Material, das wir hier hinten hängen hatten, mit Lampen, die man nicht sehen kann, von hinten beleuchtet. Man schaut also durch Farbe – Ralph McQuarrie hat das oft gemacht –, geht mit einer kleinen Rasierklinge oder einem Präzisionsmesser ran, kratzt die Farbe ab und sieht ein von hinten erhelltes Weiß, etwas dahinter. Das sieht man hier. Aber wenn das Modell nur so groß gewesen wäre, hätte man damals diese Male noch nicht so klein hinbekommen. Und auch, um den Fokus richtig hinzukriegen, denn bei manchen Aufnahmen sind wir ziemlich nah an den Todesstern rangefahren, und wir mussten die Schärfentiefe aufrechterhalten können.

StarWars.com: Warst du daran beteiligt, ein Modell zu optimieren, wenn es für das, was du aufnehmen solltest, nicht funktioniert hat?

Dennis Muren: Oh ja, und es gab Zeiten, da schien es nicht genug Licht um die Ränder zu geben – ein bisschen sieht man das Problem hier –, und dann musste man das Modell unter Umständen etwas größer machen. Das konnte entweder ich machen, oder ich konnte Steve Gawley oder einen der Jungs aus der Modellabteilung dafür holen. Und George war für all das offen. Wir haben das mit X-Flüglern und allem Möglichen gemacht.

StarWars.com: Vader auf dem Todesstern.

Dennis Muren: Ja, beim Fliegen durch den Graben. Das ist bloß eine der Grabenaufnahmen. Weil wir so weit zurück lagen, kam die Idee auf, jedes der Schiffe separat zu filmen, damit sie verschiedene Flugbahnen haben könnten. Aber es war aussichtslos, das hinzubekommen, also habe ich mit etwas angefangen, was wir dann oft gemacht haben – so viele Schiffe wie möglich gleichzeitig aufzunehmen und eines oder zwei davon auf eigene, getrennte Tracks zu setzen. Ein Schiff tat also dies, das andere das und rollte sich herum, wieder ein anderes war vielleicht statisch und sollte sich rollen, hat sich allerdings nicht bewegt, weil wir nicht genug Tracks hatten, aber die Kamera übernahm dann den gesamten Bewegungsablauf. Und es sah dann so aus, als wären die Schiffe alle separat. Das hat die Dinge gewaltig beschleunigt, und ich konnte auf die Weise in einer Nacht zwei bis drei Aufnahmen mit mehreren Schiffen in den Kasten bekommen.

StarWars.com: Ist das ein Beispiel für dein Motto: „Uns läuft die Zeit davon, also müssen wir uns einen Weg einfallen lassen, es hinzubekommen“?

Dennis Muren: Ja. Solange die Aufnahmen gut ausgesehen haben, war es George egal.

StarWars.com: Was für Feedback hat er dir gegeben? Ich hatte immer den Eindruck, dass viel davon, wie die Weltraumschlachten aussehen, von seinen Interessen herrührt, von Dingen wie Autorennen und Dokumentarmaterial von Luftkämpfen im Zweiten Weltkrieg. Hat er dir das klargemacht, bevor du angefangen hast, oder ist er später zu dir gekommen und hat gesagt: „Es muss mehr so aussehen. Es muss schneller sein.“

Dennis Muren: Na ja, er hatte Material für die Geschützpforten und auch für die Weltraumschlacht aus Bildmaterial zusammengeschnitten, das er aus dem Fernsehen und aus Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg hatte. Das war die Vorlage, und daran hat sich Joe Johnston mit den Storyboards orientiert. Aber die Geschwindigkeiten waren nie schnell genug. Er hat immer gesagt: „Mach sie schneller.“ Richard hatte eine bessere Vorstellung als ich davon, was schnell bedeutet. Wenn er etwas aufgenommen hat, sauste der Hintergrund manchmal so rasant vorbei, dass man gar nicht sagen konnte, worum es sich handelt. Oft hat George dazu gesagt: „Super! Genau das will ich.“ Ich dachte mir dann: „Wovon zum Geier redet er?“ Also habe ich etwas wesentlich Zahmeres gemacht, denn weißt du, ich fahre auch nie mit mehr als 60 Stundenkilometern in L. A. durch die Gegend. „Nein, das sollte schneller sein.“ [Ich darauf:] „Aber dann kann man nicht mehr erkennen, was es ist.“ „Tja, versuch’s einfach, das passt schon.“ Also hab’ ich’s versucht, und wenn das Material in eine Aufnahme eingefügt wurde, nur ein statischer X-Flügler im Vordergrund, dann wurde einem klar … Man schwenkt die Kamera und fängt an, die Welt in Ebenen zu sehen, so wie er es beim Bearbeiten gemacht hat. Ich bin immer ein räumlicher Typ gewesen. Mit Ebenen habe ich mich nie auseinandergesetzt. Ich habe Modelle und so gebaut, aber die hatte ich immer direkt vor mir. In dieses Konzept bin ich also nie reingekommen.

StarWars.com: Aber als du die Düsenschlitten-Verfolgungsjagd in Die Rückkehr der Jedi-Ritter gemacht hast, warst du der Meister der Geschwindigkeit.

Dennis Muren: Sogar schon lange davor. Am Ende der Dreharbeiten und bei der Arbeit an Unheimliche Begegnung … und vor allem [Battlestar] Galactica habe ich erst richtig angefangen, all das einzusetzen, und mir wurde allmählich klar, welche Kontrolle man über Geschwindigkeit und Emotionen hat. Zu dem Zeitpunkt konnte ich die kraftvolle Wirkung des Flugs in den Graben verstehen. Das war nicht nur eine technische Herausforderung, es war ein mächtiger Designaspekt. John war das klar, und er hat auf das System gedrängt, um es umzusetzen. Er hat es bekommen und damit total abgeliefert.

StarWars.com: Du redest vom Dykstraflex. Würdest du sagen, das ist die große Innovation von Eine neue Hoffnung?

Dennis Muren: Ich sage dir, dass es weit mehr als das ist. Das Dykstraflex mit dem Bewegungssteuerungssystem, das Al Miller und Jerry Jeffress dafür gebaut haben, und die Anwendung des Systems. Die Sache mit den Tracks von Don Trumbull. Aber auch die Modelle. Davor wurden solche Modelle von Leuten wie Greg Jein oder in einem Studio angefertigt. Sehr präzise, einmalige Modelle. Die hat man sich angeschaut, und – wunderschön, wunderschön. In der Regel waren sie auch ziemlich groß. [Schaut auf das Foto der X-Flügler-Modelle.]

Diese Dinge wurden in Masse produziert. Es hat Formen dafür gegeben, man konnte sie am laufenden Band produzieren, gleich eine Serie von 12 X-Flüglern auf einmal haben. Ich dachte mir damals: „Was soll das denn jetzt? Wo bleibt da die Präzision?“

StarWars.com: Diese Modelle konnte man in die Luft jagen!

Dennis Muren: Die konnte man in die Luft jagen und fallen lassen und dann einfach so: „Da ist noch eins!“ Außerdem wurden sie in so schneller Bewegung gefilmt, dass man sie gar nicht anders herstellen musste. Ich denke also, das war schon ein großes Ding. So wurden auch die Teile des Todessterns hergestellt, all die modularen Todessternteile.

Wenn man sich Flucht ins 23. Jahrhundert ansieht, ein Jahr vor Star Wars entstanden, und erst recht King Kong [aus dem Jahr 1976], aber vor allem Flucht ins 23. Jahrhundert mit Modellkulissen und all so was, dann sieht man, was im Hollywood der alten Schule gemacht wurde und welche Schwächen das alles hatte. Und dann sieht man eine völlig andere Denkweise bei allem, und dafür stand Star Wars.

StarWars.com: Ist das da ein Bier in deiner Hand?

Dennis Muren: Wahrscheinlich. Das muss nach so was wie einer Party gewesen sein. Hier wird gerade für einen Test belichtet, den wir gemacht haben. Hier hinten läuft das Netzkabel runter und der Track ist gleich hier hinten, ein bisschen kann man davon sehen. Ich mache nur die Belichtung. Hast du irgendwelche Fotos vom breiteren Graben? Das war echt interessant.

Weißt du, wir hatten mehrere Durchläufe vom Abtauchen in den Graben. Jedes Mal, wenn in einen anderen Bereich abgetaucht wurde, sollte der Graben für mehr Dramatik schmaler werden. Wir haben den breiten gebaut, und wir haben den schmalen gebaut, aber nie etwas dazwischen, weil [George] bis dahin meinte, es wäre nicht notwendig. Man konnte Aufnahmen auf diese Weise auch nicht wiederverwenden. Der schmale, mit dem wir die meisten Tests gemacht haben, hatte so viel mehr Energie, weil man näher an den Seitenwänden war. Es war einfach sinnvoll, den für alles zu verwenden.

StarWars.com: Als es Zeit für Das Imperium … wurde, wo ganz andere Effekte zum Einsatz kamen – mehr Stop-Motion mit Kreaturen wie dem Tauntaun und Aufnahmen vor Schnee und weißen Hintergründen –, hast du dich da durch die Erfahrungen von der Arbeit an Star Wars bereit dafür gefühlt, solche Dinge in Angriff zu nehmen und dich an noch mehr Herausforderungen heranzuwagen?

Dennis Muren: Ja, da konnte ich nämlich die Sachen umsetzen, die ich machen wollte, also große Sets vor der Kamera und nicht nur Bluescreen-Technik. Das habe ich geliebt. Trotzdem war es der härteste Film, an dem ich je gearbeitet habe, weil wir dabei eine Stufe höher geschaltet haben. Wir mussten so viele örtliche Talente wie möglich finden, und wir mussten sie ausbilden. Wir brauchten mehr Ausrüstung, weil es viel mehr Aufnahmen zu drehen gab. Und wie immer hat es länger gedauert, die Kameras und all den Kram zu bauen. Das war eine echte Herausforderung.

StarWars.com: Inzwischen sind 40 Jahre vergangen. A) Kannst du fassen, dass es 40 Jahre her ist, seit Star Wars herausgekommen ist?

Dennis Muren: Nein, echt nicht.

StarWars.com: Und B) Was bedeuten das Erbe von Star Wars und die Arbeit, die du darin eingebracht hast, für dich persönlich?

Dennis Muren: Es ist so verblüffend, denn als ich aufgewachsen bin, schien es keine Zukunft für solche Sachen zu geben. Ich stand zwar voll drauf, aber es gab keine Zukunft für visuelle Effekte. Man konnte das nirgendwo lernen, deshalb habe ich nie eine Karriere darin gesehen. Aber etwas anderes wollte ich nie machen. Und dann kamen all diese Faktoren zusammen. Ich glaube, es waren Leute in meinem Alter, die mit Fernsehen aufgewachsen sind und die daran gewöhnt waren, dass sich die Dinge im Fernsehen und die Grafiken schnell geändert haben, die all das sehen konnten. Dann kam George dazu, der diese Geschichten hatte, die ähnlich wie Fantasy waren, und der sie filmisch umsetzen wollte, und Steven [Spielberg], der Filme darüber drehen wollte, und andere Leute mit ähnlicher Einstellung. Die Kameramänner, die radikale Dinge ausprobierten. Überall waren Leute aus den 1960ern, die verschiedenste Sachen versucht haben. Funktioniert hat es nur, weil die Menschen die Filme sehen wollten, und im Wesentlichen waren es dieselben Leute, die diese Filme gemacht haben.

War schon ziemlich cool, dass all das so zusammengewirkt hat, denn sonst wäre Star Wars vielleicht so wie 2001 geworden. Der Film wäre einfach dagewesen, und man hätte darüber geredet, so nach dem Motto: „Oh, das war echt gut, die Effekte waren wirklich fein.“ Und dann wäre er in der Versenkung verschwunden, und diese Branche hätte es nie gegeben. Bis etwas passiert ist. Es war nicht wirklich ein Zufall, denn George und Steven haben innerhalb von einem Jahr Star Wars und Unheimliche Begegnung gemacht. Es war also wirklich so, dass unsere ganze Generation dort angekommen und bereit war, und die Leute, die keine Filme gemacht haben, waren bereit, sie sich anzusehen. Diese Filme.

Aber es geht weiter. Mit Computern hat es sich auf Videospiele und all diesen anderen Kram ausgeweitet. Inzwischen haben wir die virtuelle Realität. Alles basiert irgendwie auf dieser synthetischen Realität, darauf, dass getrickst wird, um Dinge so aussehen zu lassen, wie sie in Wirklichkeit gar nicht sind, und auf einer Gesinnung, die offen dafür ist, neue Dinge zu sehen. Und auf Leuten, die Dinge im Kopf haben, die sie anderen Leuten zeigen wollen.

StarWars.com: Nachdem du im Verlauf der Jahre an so vielen Innovationen bei visuellen Effekten mitgewirkt hast, wenn du auf Star Wars zurückblickst, wo würdest du den Film in Bezug auf seine Auswirkungen im Vergleich zu anderen Filmen einreihen?

Dennis Muren: Ich denke, Star Wars hatte die größten Auswirkungen auf zumindest die Effektbranche und wahrscheinlich auch auf Familienunterhaltung. Denn wenn man sich nur ansieht, was der Film alles ausgelöst hat … So sehr mir Unheimliche Begegnung … gefällt, ich weiß nicht, ob der Film irgendwo hingeführt hat, die Superman-Filme jedenfalls irgendwie nicht, und die Star Trek-Filme waren eine einmalige Geschichte. Aber ich denke, Star Wars versprüht diese Magie von Der Zauberer von Oz mit einem Abenteuer, das zum nächsten führt, aber mit Familie und Freunden, die bei dem Abenteuer mit dabei sind. Da ist eine ganze Gruppe von Freunden, die sich gegenseitig vertrauen, sie geraten in Gefahr, sie retten sich gegenseitig, sie haben irgendwie Spaß dabei, wie im echten Leben. Und es sind Dinge darunter, die man nie zuvor gesehen hat und man möchte dabei sein. Ich denke, diese Kombination ist es, die heute noch zieht. Wer hätte das je gedacht? [Lacht.]

Dan Brooks ist leitender Autor bei Lucasfilm und Redakteur des StarWars.com-Blogs. Er liebt Star Wars, ELO und die New York Rangers, Jets und Yankees. Folge ihm auf Twitter @dan_brooks, wo er sich über all diese Dinge auslässt.

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