R2-Builder Club – Schrauben für das Gute

Arnd Riedel und Bernd Pentrop widmen ihre Freizeit dem schlauen Droiden und stellen euch im Interview ihren Astromech-Club vor.

Seit 16 Jahren engagieren sich weltweit hingebungsvolle Bastler und Modellbauer mit dem Ziel, den perfekten R2-D2 nachzubauen. Und nachdem Artoo in jedem Film kleine Veränderungen erfährt, gehen den entschlossenen Enthusiasten nie die Herausforderungen aus, wie sie StarWars.de erzählt haben.

Wie ist euer Club entstanden?
Arnd: Der Club ist entstanden, nachdem in den 1990er Jahren diverse Leute weltweit R2-D2s gebaut haben, ihre eigenen Internetseiten aufgezogen haben und irgendwann feststellten ‚Da gibt’s ja noch andere Bekloppte auf der Welt!‘. Der R2-Builders Club ist auf der Internetseite astromech.de bzw. astromech.net online zu finden.

Wie lange gibt’s euch schon, wie viele seid ihr?
Bernd: 1999 hat Dave Everett aus Australien den Club mit anfangs etwa 15 Leuten gegründet. Mittlerweile sind wir angewachsen zu einem Club mit offiziell etwa 15.000 (!) Mitgliedern, von denen jedoch nur etwa 3.000 Mitglieder aktiv R2-D2s bauen.

Wo kann man euch antreffen?
Arnd: Wir bauen natürlich zuhause im eigenen Keller, es gibt kein „Clubheim“ oder ähnliches. Jeder bastelt für sich und dann treffen wir aus auf Conventions, Science-Fiction- und Fanbörsen, teilweise auch Modellbauausstellungen.

Builder und ihre Kreationen bei der SWCA 2013

Was ist das Besondere an eurem Club?
Bernd: Wir sind eine lose Internet-Gemeinschaft und haben keinen Vorstand, keinen Mitgliedsbeitrag. Der Austausch findet vor allem im deutschen Forum statt und dort beantworten wir Fragen von Leuten, die auch R2-D2s bauen.

Werden ausschließlich R2-D2s konstruiert?
Bernd: Jein – die meisten bauen tatsächlich erst mal einen R2-D2, weil es dieser tolle, witzige Charakter ist. Ganz viele versuchen sich danach aber an anderen Robotern, zum Beispiel C-3PO. Aktuell basteln viele an dem Chopper aus Star Wars Rebels und natürlich zum Teil auch schon an BB-8. Das dehnt sich schnell aus.

Fedcon 2013

Wie lange braucht ihr etwa, um so einen Droiden zu bauen?
Arnd: Das ist ganz unterschiedlich und hat mit der Bauart des Droiden zu tun. Es gibt drei große Kategorien, man kann aber sicherlich mit 1.000 Arbeitsstunden für einen R2-D2 rechnen! Einmal hat ein Builder innerhalb von drei Monaten einen tatsächlich fahrenden R2-D2 gebaut. Er spannte dazu die gesamte Familie ein und der Roboter war dann noch nicht absolut fertig – z.B. noch nicht lackiert – sondern nur fahrbereit. Im Allgemeinen kann man bei konzentrierter Arbeit schon ein Jahr rechnen.

Wie unterscheiden sich die erwähnten drei Kategorien?
Bernd: Das hat mit der finanziellen Situation zu tun: Will man ihn relativ günstig bauen, gibt es dafür einen Bauplan, um ihn aus Kunststoff zu fertigen, also aus Polystyrol, kurz „styrene“. Den kann man tatsächlich zuhause mit einem Cuttermesser, Lineal und viel Kleber zusammenbauen. Das ist das relativ „günstige“ Grundmodell und damit liegt man bei etwa 1.500 bis 2.000 Euro. Die zweite Variante ist der Materialmix, dafür nimmt man einfach alles, was man gerade in die Finger kriegt – Holz, Kunststoff, Aluminium – und man baut sich seinen Droiden daraus. Da ist großes handwerkliches Geschick gefordert und es ist nicht so einfach, denn man muss sich viel einfallen lassen und viel improvisieren. In der letzten Kategorie befindet sich der Alu-Droide, in dem sehr viele Zukauf-Teile verbaut werden – im Grunde alles, was der Droiden-Markt so hergibt. Da kann man sich relativ sicher sein, dass alles passt und die Arbeit ist mehr ein Zusammenschrauben. Bei dieser Variante ist man leicht bei 10.000 bis 15.000 Euro.

European Builders Meeting 2015 – Der Stoff, aus dem Droiden sind

Gibt es also tatsächlich ganze Bausätze zu kaufen?
Bernd: Nein, das ist lizenzrechtlich heikel und die Clubs dürfen lediglich Teile fertigen, müssen die Droiden aber im Endeffekt selbst bauen. Wir achten als Club auch streng darauf, nur Teile anzufertigen, damit die Builder auch alles selbst zusammenfügen und möglichst viele Teile in Eigenarbeit herstellen. Damit kommen wir dem Thema „Bausatz“ auch nicht in die Quere.

European Builders Meeting 2015 – Fachsimpeln unter Profis

Gibt es eine messbare Frauenquote oder sind die R2-Builders eher ein Männerclub?
Arnd: Das sind tatsächlich gar nicht so wenige! In Prozentzahlen ist das schwierig auszudrücken, wir schätzen, der Anteil liegt bei unter zehn Prozent, aber immerhin im Prozentbereich! Bei solch einem zeitraubenden Hobby sind die Frauen ohnehin meist mit eingebunden. Das kann man nicht einfach so zwischen Tür und Angel erledigen – bei uns sind die Familien auch Star-Wars-begeistert.

Was macht am meisten Spaß? Das Basteln, die Meetings, oder die Auftritte, wenn ihr mal an der frischen Luft seid, anstatt im Keller?
Arnd: Bei mir hat es sich über die Jahre geändert. Anfangs hatte ich am Basteln am meisten Spaß. Inzwischen gefällt mir die Kommunikation mit den weltweiten Bastelkollegen am besten. Man lernt Leute aus allen Ecken des Planeten kennen und tauscht sich mit Verrückten aus aller Welt aus, z.B. bei den regelmäßigen Europatreffen. Wenn alle zusammenkommen ist das schon eine sehr witzige Sache.

Bernd: Bei mir ist das ähnlich, aber das Größte sind immer wieder die leuchtenden Kinderaugen, etwa wenn Kinder vor dem R2-D2 stehen und kucken wie er funktioniert und einfach Spaß daran haben, dass er da ist. Anfangs ist das manchmal noch ein erschrockenes Zurückzucken – aber man merkt schnell, wie sie R2-D2 in ihr Herz schließen.

Was ist Eure erste Star Wars Erinnerung? Wann hat euch das Star Wars Fieber gepackt?
Arnd: Ich war 1977 im Kino – es war mein zweiter Kinofilm überhaupt! Meine Eltern haben mich mit ins Kino genommen und bei der Szene, in der der Sternzerstörer von oben ins Bild rauscht, hat es mich schon erwischt.

Bernd: Bei mir war’s ähnlich, ich musste mich aber noch ins Kino schmuggeln wegen meines unzureichenden Alters ;-). Das ist mir gottseidank gelungen und ich habe ihn auch gleich zum Filmstart gesehen. Ich glaube für einen Jungen, der vom Weltraum träumt, war das genau der richtige Einstieg.

Welche Lieblingsfigur außer R2-D2 habt ihr im Star Wars Universum?
Beide: Das ist eindeutig R2-D2!

European Builders Meeting 2015 – R2-D2 lüftet seine Geheimnisse

R2-D2 hat nun schon fast 40 Jahre auf dem Buckel. Wie hat er sich über die Jahre verändert?
Arnd: Schwierige Frage! Für uns verändert er sich natürlich massiv, weil man am Anfang den Charakter sieht, die Persönlichkeit R2-D2. Wenn man ihn selbst baut und sich über ihn informiert, über die Filme und die Requisite R2-D2 nachrecherchiert, dann steht irgendwann dann nicht mehr der Charakter im Vordergrund, sondern die laufende Technik. Aber es ist heute noch manchmal so, dass man im Bastelkeller die Elektronik anschaltet, R2 anfängt zu piepsen und man das Gefühl hat, als stehe jemand neben einem, der gerade vor sich hin piepst.

Bernd: Die Charaktereigenschaften selbst haben sich ja über die Filmjahre hinweg gar nicht so geändert. Er war immer der etwas vorlaute Droide, der vor sich hingestapft ist. Äußerliche Veränderungen hingegen gibt es ganz viele. Ich wundere mich selbst immer wieder beim Schauen der Filme. Je besser die Filmqualität ist – also vom Kinofilm über die VHS zur jetzigen Blu-ray – entdeckt man immer wieder andere Details, die man früher gar nicht auf dem Schirm hatte.

Auge in Auge – Von Mann zu Droide

Warum übt Star Wars weltweit solch eine Faszination aus?
Bernd: Ich denke, dass das 1977 schon ein Spiegelbild unserer Gesellschaft war. Es wurden immer wieder geschichtliche Aspekte eingebracht, die auch teilweise noch 40 Jahre später ihre Gültigkeit haben. Etwa die Konflikte zwischen Gut und Böse – das Gute gewinnt hoffentlich! Ich denke, man hat 1977 schon im Voraus einen Film über aktuelle gesellschaftliche Probleme gedreht.

Arnd: Ich finde Star Wars ist ein klassisches Märchen mit neuer Verpackung in moderner Umgebung, auf das Zielpublikum zugeschnitten und modernisiert.

Das Hobby ist offensichtlich keines, das man schnell nebenbei erledigt. Habt ihr technische Berufe oder ist das eher ein Ausgleich zum Beruf?
Bernd: Bei mir ist das der Ausgleich. Ich war schon immer begeisterter Modellbauer und irgendwann hat mein Sohn mich gefragt, ob wir zusammen einen R2-D2 bauen. Erst habe ich den Wunsch negativ beschieden, aber irgendwann hat er mich dann doch überzeugt. Eigentlich bin ich Polizeibeamter und habe also überhaupt keinen beruflichen Bezug dazu. Das Hobby machte dann irgendwann so viel Spaß, dass ein guter R2-D2 dabei herausgekommen ist!

Arnd: Ich bin zwar Ingenieur, jedoch nicht im Bereich Robotertechnik sondern für Gebäudeplanung und –technik. Aber natürlich bin ich technisch interessiert und auch Modellbauer.

Under Construction – R2-D2 mit Handlungsbedarf

Was erwartet ihr euch für R2-D2 in Star Wars: Das Erwachen der Macht?
Arnd: Viele Szenen und eine spannende Geschichte!

Gehört ihr zu den Fans, die jedes Detail vorab wissen wollen?
Arnd: Storymäßig möchte ich mich auf jeden Fall überraschen lassen. Ich versuche alles zu vermeiden, was an Neuigkeiten über Star Wars zu mir dringt – was heutzutage gar nicht so einfach ist! Aber in Bezug auf die Technik, wenn jetzt schon Fotos auftauchen, finde ich das schon interessant.

Bernd: Den Trailer kann man sich noch gut ankucken, aber ich habe Angst, enttäuscht zu werden, wenn ich vorab schon zu viel darüber weiß! Ich fand beide Trailer toll und ich möchte auf jeden Fall rauskriegen, wie BB-8 funktioniert. Das wird spannend!

Was habt ihr für den 17. Dezember geplant?
Arnd: Wir hoffen natürlich, bei der Deutschlandpremiere vor Ort zu sein. Bei der Premiere von Star Wars: Die Rache der Sith bin ich in Berlin mit meinem R2-D2 auf dem roten Teppich herumgefahren und das war toll! Im Kino saß George Lucas in der ersten Reihe und wir in der letzten [lacht] – das war genial!

Wo trifft man euch als nächstes?
Arnd: Mindestens einer unserer Droiden wird am 19. August 2015 auf der Rebel Con in Herne zu sehen sein und später sind wir auf einem ganz großen Event, der FACTS in Belgien. Das ist die europaweit größte Filmbörse, an deren Rand inzwischen regelmäßig das Europatreffen der R2-Builders stattfindet.

Bernd: Auf der FACTS werden sicherlich 30-40 Droiden und deren Bauer zu sehen sein.

Arnd, Du bist im „Builders Council“. Was hat man sich darunter vorzustellen?
Wir haben so eine Art Vorstand, eine Art „Rat der Weisen“, das sind die Vertreter der lokalen Gruppen. Dort wird über bestimmte Sachen abgestimmt, man kann sich Rat holen und wir lenken die Richtung des Clubs ein wenig. Das hält sich aber sehr in Grenzen, denn es gibt keinen Vereinsvorstand, keine Wahlen oder Mitgliederabstimmungen. Alles ist eher formlos bei uns.

Seid ihr über ganz Deutschland verteilt?
Es gibt im Ruhrgebiet eine starke Konzentration zu verspüren, das liegt sicher auch einfach an den Einwohnerzahlen. Aber ansonsten haben wir Mitglieder von Hamburg bis München.

StarWars.de bedankt sich herzlich für das Interview und wünscht den Erbauern und ihren Droiden alles Gute!

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