Interview: Simon Kinberg, Ausführender Produzent Von Star Wars Rebels – Teil 3

Im letzten Teil des StarWars.com-Interviews mit Simon Kinberg zu Star Wars Rebels und der aus seiner Feder stammenden Pilotfolge „Der Funke einer Rebellion“ erläutert der ausführende Produzent der Serie Kanans neuartiges Lichtschwert, den Status, den die Macht in der Serie einnimmt, und wie es ist, reale Versionen seiner eigenen Figurenkreationen zu treffen. (Für jene, die sie verpasst haben sollten, empfehlen wir die Lektüre von Teil eins und zwei dieses Interviews.)

StarWars.com: Ein zerlegbares Lichtschwert dürfte wohl das Coolste überhaupt sein.

Simon Kinberg:  [Lacht] Klar.

StarWars.com: Woher stammt diese Idee?

Simon Kinberg: Wenn ich mich recht erinnere – und das ist nicht immer einfach, weil die meisten Ideen in Teamarbeit entwickelt werden – entstand das Konzept eines Lichtschwerts, das sich zerlegen lässt, aus der Notwendigkeit eines Lichtschwerts, das man versteckt tragen konnte. Wie also verbirgt man in einer Welt nach Erteilen der Order 66, in der man als Jedi quasi zum Tode verurteilt ist, sein Lichtschwert so gut wie möglich? Das war ein Beweggrund. Der andere Grund bezog sich auf den Charakter – auf das, was es über Kanan sagt: nämlich, dass er mit seiner Identität als Jedi hadert. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit, in der Zeit um die Order 66, aber auch darin, dass er seine Ausbildung als Jedi nie zum Abschluss bringen konnte. Vom Standpunkt der Figur aus gesehen war dies unsere Art, auszudrücken, dass er kein ganz vollwertiger Jedi ist. Sein Lichtschwert in Einzelteile zu zerlegen, erschien daher sinnvoll.

StarWars.com: Wirklich interessant. Wie schon angedeutet, muss er mit Blick auf die Zeitleiste bei Erteilung der Order 66 ein Padawan gewesen sein. Eine eigenwillige Dynamik, wenn man bedenkt, dass jemand, der seine Ausbildung nie beendet hat, jetzt selbst einen Schüler unter seine Fittiche nimmt.

Simon Kinberg: Und genau das interessiert uns in der Serie sehr. Die Auswirkungen dieses Ereignisses auf sein Leben; die Tatsache, dass er nie seine Ausbildung abschließen konnte, und was es bedeutet, ein Meister zu sein, und doch selbst so viel zu lernen zu haben. Auf gewisse Weise bietet Ezra ihm die Gelegenheit, nicht nur zu lehren, sondern selbst seinen eigenen Lernprozess zu vollenden. Ezra forciert und hinterfragt Dinge für Kanan, mit denen er sich womöglich nie beschäftigt hätte, wäre dieser neue Padawan nicht in sein Leben getreten. Es kommt also nicht von ungefähr, dass diese Geschichte einen großen Teil der Serie und von Kanans Identität ausmacht.

Kanan assembles his lightsaber in Star Wars Rebels

StarWars.com: Was ist dein Verständnis der Macht? Sie scheint mehr in der Tradition der ursprünglichen Filme zu stehen, wo sie subtiler erscheint und sich weniger in spektakulären Machtkämpfen ausdrückt.

Simon Kinberg: Ich glaube, wir nutzen die Macht [lacht] auf ähnliche Weise wie in der ursprünglichen Trilogie. Wir befinden uns in einer Zeit, in der Machtbegabte entweder gejagt werden oder mitunter selbst die Jäger sind. Keine friedliche Zeit also. Dieses Klima wirkt sich auch auf das Gefüge der Macht aus. Was wir auf jeden Fall zeigen wollten – besonders an Ezra, da die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird –, ist eine organische Entwicklung, bei der die Macht und ihre Fähigkeiten entdeckt und dann weiterentwickelt werden.

StarWars.com: Die Schießereien sind nicht mehr so episch angelegt. Oft sieht man Kanan aus der Deckung auf zwei Sturmtruppler feuern. Auf gewisse Weise bewirkt aber genau dies, dass sie gefährlicher und persönlicher wirken. War das eine bewusste Entscheidung, die du mit dem Team getroffen hast?

Simon Kinberg: Nun, ich glaube tatsächlich, dass es den Impuls gab, die Action so intim wie möglich zu gestalten, damit die Gefahr für Ezra mehr als für alle anderen extrem real und direkt erscheint. Das trifft besonders in den ersten Folgen zu, weil wir diese Welt mit einer Figur betreten, die nicht an Action dieser Größenordnung gewöhnt ist. Mit ihm sollen sich langsam die Pforten öffnen. Unsere beliebtesten Actionfilme erzielen oft die größte Wirkung, wenn die Action etwas heruntergefahren wird und ungeschönt gezeigt wird, weil das einfach direkter wirkt und den Zuschauer noch mehr fesselt. Und als Filmemacher erlaubt es einem, den Kampf von innen zu betrachten. Anstatt herauszoomen zu müssen, um die aufeinanderprallenden Armeen in ihrem vollen Umfang zu sehen, kann man direkt ins Geschehen eintauchen und jeden einzelnen Schuss spüren. Jeder Schuss zählt. Ich würde sagen, die Action fällt eher in den Bereich von Dave Filoni [dem weiteren ausführenden Produzenten] und den anderen Künstlern. Ich schreibe so was wie „Sie kämpfen im Gang“ und sie setzen es um. Aber es stimmt – wie bei allem in der Serie lautet auch hier die Devise, dass alles so bodenständig und real wie möglich aussehen soll.

StarWars.com: Das Letzte, das wir von Star Wars gesehen haben, waren die Prequels and The Clone Wars, und diese waren um einiges größer angelegt. Bei Rebels ist die Action wirklich sehr viel bodenständiger.

Simon Kinberg: Nun, das liegt an der Geschichte, die wir erzählen. Die Geschichte von „Die Rache der Sith“ war sehr viel weitreichender. Unsere steckt schon im Titel. Sie ist der erste Funke, der Ursprung der Rebellenallianz. Es geht um eine Bewegung, die nicht auf vergleichbare Ressourcen zugreifen kann. Es geht nur um ein paar Freiwillige in einem Unabhängigkeitskrieg, der schließlich quasi in der Amerikanischen Revolution kulminiert. Aber um bei diesem Vergleich zu bleiben: Wir begleiten die Gruppe von Farmern beim Aufbau ihrer Armee, anstatt die Geschichte mit der komplett aufgestellten Armee zu beginnen. Und genau das macht den großen Unterschied zwischen dem letzten Prequel und dieser Serie aus: Die Geschichten, die wir erzählen sind grundverschieden. In Rebels ist noch nicht einmal die Rebellion voll entflammt, geschweige denn ein ausgewachsener Krieg. Wir erleben die ersten Anfänge, in denen vier oder fünf Leute etwas in Gang setzen, ein paar anderen Leuten helfen und dem Imperium ein paar Beulen verpassen wollen.

StarWars.com: Mir fiel auf, dass die Serie das gesamte Universum von Star Wars einbezieht. Erklärtes Ziel war es, die Essenz von „Eine neue Hoffnung“ widerzuspiegeln, doch sie bezieht sich außerdem ganz offensichtlich auf Geschehnisse aus den Klonkriegen und den Prequels.

Simon Kinberg: Da hast du wohl recht. Von Anfang an war für uns klar, dass die Serie zwischen den Prequels und der klassischen Trilogie angesiedelt sein sollte. Ist diese Entscheidung erst einmal getroffen, befindet man sich in einer Zeit, in der man auf beide Bezug nehmen muss. Die Geschichte ist notwendigerweise von den Prequels geprägt und muss die klassische Trilogie vorbereiten. Vielleicht orientiert sie sich in ihren Ausdrucksmitteln, in Stil und Look mehr an der klassischen Trilogie. Das erscheint durchaus logisch, denn zeitlich gesehen ist sie den ursprünglichen Filmen näher, geht es doch um die ersten Anfänge der Rebellion. Dave Filoni und viele der Autoren haben bereits bei The Clone Wars mitgewirkt und arbeiten schon seit zehn Jahren eng mit George [Lucas] zusammen. Die Prequels haben also einen guten Teil ihres Vokabulars geprägt; sie sind ein Teil der Geschichte, mit dem wir untrennbar verwoben sind und auf die wir in der Serie Bezug nehmen. Wir stellen uns stets die Frage, wie sich unsere Geschichten oder die neuen Figuren in die Handlung der Vergangenheit und Zukunft einbetten lassen. Ein Großteil unseres Publikums ist noch jung, und für einige Zuschauer ist dies das erste Erlebnis mit Star Wars. Bei vielen waren es die Prequels, die den größten Eindruck hinterlassen haben. Das dürfen wir nicht vergessen.

Ezra opens a Jedi holocron

StarWars.com: Mir hat besonders gefallen, dass es in „Der Funke einer Rebellion“ so viele ruhige Momente gab. Es gibt da eine Szene mit Ezra an Bord der Ghost, in der er alleine zurückgelassen wird, um ihn auf die Probe zu stellen. Kanan sagt zu Hera: „Na, dann mal sehen.“ Und danach – einfach eine Sekunde Stille. Wie arbeitest du solche Momente in die Serie ein?

Simon Kinberg: Schön, dass dir so was auffällt. Eine Sache, die Dave Filoni besonders am Herzen lag, war, Szenen ohne musikalische Untermalung zu haben. Es gibt eine Tendenz bei Animationsserien oder überhaupt Kindersendungen, sie mit einer unablässigen musikalischen Geräuschkulisse zu versehen. Treibende, dröhnende Musik sorgt selbst in ruhigen Szenen dafür, dass Sendungen für die junge Generation fast manisch wirken. Und das widerspricht dem Wesen von Star Wars. Ich erinnere mich noch daran, wie echt Filme auf mich wirkten, als ich ein Kind war. Und das lag an den Pausen und Momenten der Stille. Sie vermitteln außerdem einen Hauch von Mythos. Ich glaube, um wirklich einen Mythos zu schaffen, muss man die Geschichte atmen lassen. Dieser Dinge waren wir uns also sehr bewusst. Besonders für Dave hat dies enorme Bedeutung, da er bei der Serie auch Regie führt, Schnitte setzt und Entwürfe festlegt. Wir haben dies eigens angesprochen. Erst vor Kurzem hatten wir dazu ein Meeting. Er betont immer wieder, wie wichtig es ist, diese stillen, mystischen und mythischen Momente zu finden.

Nicht zuletzt verleihen sie dem Stoff auch eine gewisse filmische Qualität. Und das ist interessant: Gute Filme haben genug Vertrauen in ihre Charaktere, um sie reden und denken zu lassen, ohne dem Zuschauer dabei durch ein Übermaß an Musik oder Soundeffekten zeigen zu müssen, was er dabei fühlen soll. Das erlaubt dem Zuschauer, die Figuren wirklich zu begleiten. Ich glaube sogar, dass es für den Zuschauer einfacher ist, sich mit dem Charakter zu identifizieren, wenn dabei weniger im Wege steht.

StarWars.com: Wie lief die Arbeit an der Serie weiter, nachdem „Der Funke einer Rebellion“ abgeschlossen war?

Simon Kinberg: Wir haben eigentlich nie aufgehört, an der Serie zu arbeiten. [Lacht] Ich meine, ich war noch dabei, die Entwürfe der ersten Folgen zu überarbeiten, als wir schon die Abrisse der nächsten schrieben und in Grundzügen die danach ausarbeiteten. Beim Fernsehen gibt es nie eine Pause, so viel habe ich gelernt. Es war einfach ein einziger langer Prozess – von unseren ersten Gesprächen über den Aufbau unserer Bibel bis hin zum Verfassen der ersten Entwürfe. Eines baut auf dem anderen auf.

Wirklich toll war es, „Der Funke einer Rebellion“ diesen Sommer auf der San Diego Comic-Con zu zeigen. Wir hatten keine Ahnung, ob es dem Publikum gefallen würde. Wenn man an so etwas arbeitet, hat man entweder das Gefühl, es ist gelungen, oder manchmal auch nicht. Aber immer hofft man, dass es dem Publikum gefällt. Bei Star Wars weiß man von vornherein, dass es jede Menge Hardcore-Fans gibt, die genau wissen, was sie wollen. Diese will man zufriedenstellen, aber dabei gleichzeitig etwas Neues und Originelles schaffen. Ich war deswegen ganz schön nervös, als es zur Comic-Con ging. Nervöser als je zuvor, wenn es darum ging, meine Arbeit einem Publikum vorzustellen. Ich glaube, die fast einstimmig positive Reaktion auf der Comic-Con, bei der man es in so mancher Hinsicht mit dem kritischsten und fachkundigsten Publikum zu tun hat, hat uns riesigen Auftrieb gegeben. Sie war gleichermaßen Bestätigung und Inspiration, aber auch eine Herausforderung für uns. Wenn man ein ganzes Jahr seines Lebens in diese Art von Arbeit investiert hat, wünscht man sich nichts mehr als eine Motivationsspritze, und die bekamen wir!

StarWars.com: Wie war es, sein Werk zusammen mit dem Publikum anzusehen?

Simon Kinberg: Das war nicht nur das erste Mal, dass ich es mit Publikum gesehen habe, sondern auch das erste Mal auf einer Großleinwand. Zuerst war es beängstigend, dann spannend. Als die Leute dann lachten, wo sie lachen sollten, und jubelten, wo sie jubeln sollten, konnte ich mich endlich zurücklehnen und durchatmen. Aber auch sonst war es eine spannende Comic-Con. Schließlich haben wir ein neues Kapitel der Star Wars-Saga aufgeschlagen, die, wie schon angedeutet, fast der Bibel gleichkommt. Aber man weiß vorher nie, wie stark das Interesse des Publikums sein wird. Dann solche Energie wie auf der Comic-Con zu spüren, war einfach der Wahnsinn.

Es gab da eine Familie, die sich als die Crew der Ghost verkleidet hat – einfach klasse! Sie waren der Crew zum Verwechseln ähnlich. Es war fast schon unheimlich, denn beim Fan-Screening saßen sie in der ersten Reihe. Da stehe ich mit all den anderen auf der Bühne, um den Film vorzustellen und dem Publikum fürs Kommen zu danken, und auf einmal ist mir bewusst, dass ich hier etwas zeige, das vor Monaten nur als winzige Idee in meinem Kopf herumspukte. Nicht nur kam es mir völlig surreal vor, jetzt all das mit anderen zu teilen, auf einmal starre ich auch noch Leuten ins Gesicht, die wie lebensechte Versionen der animierten Figuren aussehen, die ich geschaffen habe! Es war wirklich surreal und supercool zugleich. Ich bin nicht sicher, ob ich so etwas noch mal erleben werde.

StarWars.com: Was hoffst du, gibt „Der Funke einer Rebellion“ den Fans?

Simon Kinberg: Ich hoffe, sie bekommen einen guten Eindruck von Stil, Figuren und Stimmung der Serie. Und dass sie das Abenteuer, den Spaß und die Menschlichkeit der meisten unserer Lieblingsfilme darin entdecken – besonders der ursprünglichen Star Wars-Filme, die wir selbst als Kinder gesehen haben. Mir geht es um etwas, das über Star Wars allein hinausgeht: Ich hoffe, sie werden sich in die Charaktere verlieben. Einer der ambitioniertesten Aspekte von Rebels ist, dass wir uns sich nicht auf etablierte Star Wars-Charaktere konzentriert. Die fünf Hauptfiguren sind brandneu, also konkurrieren wir hier mit einigen der eindrucksvollsten Charaktere, die je geschaffen wurden. Luke, Leia, Han und Anakin – großartige Figuren. Und wir erzählen neue Geschichten in einer ganz eigenen Welt. Ich wünsche mir sehr für diese ersten paar Folgen, dass sich das Publikum über seine Liebe zu Star Wars hinaus außerdem in diese neuen Figuren verlieben wird, dass die Kinder Ezra sein möchten, zu Kanan aufschauen und Zeb mit einer gehörigen Portion Angst und zugleich einem Schmunzeln begegnen. All die Emotionen, die wir selbst gespürt haben, als wir damals die Star Wars-Filme mit den klassischen Charakteren gesehen haben, sollen auch diese neuen Figuren beim Publikum auslösen.

StarWars.com: Also, ich liebe besonders Chopper. Vielleicht identifiziere ich mich mehr mit ihm als mit allen anderen.

Simon Kinberg: [Lacht] Nicht nur du. Meine Kinder auch. Meine Kids sind auf alle Fälle große Fans von Chopper.

StarWars.com: Ich weiß, es ist etwas früh, um diese Frage zu stellen, aber gibt es etwas Besonderes, was du mit Star Wars Rebels für Star Wars erreichen möchtest?

Simon Kinberg: Nun, das Beste, was man sich wohl für neue Star Wars-Geschichten erhoffen kann, ist, dass sie sich neben der existierenden Star Wars-Saga behaupten können. George Lucas hat mit ihr solch unglaubliche Arbeit geleistet, dass sie mutmaßlich als größte Geschichte des letzten Jahrhunderts gelten kann. Ich möchte einfach, dass unsere Rebellencrew eine Rolle spielt, wenn man die Geschichte von Star Wars seinen Kindern und Kindeskindern weitergibt.

Star Wars Rebels - the crew of the Ghost

Dan Brooks ist Leitender Redakteur bei Lucasfilm und verbringt den Tag, damit, Artikel für und rund um StarWars.com zu schreiben. Er ist ein Fan von Star Wars, ELO und den New York Rangers, Jets und Yankees. Folgt @dan_brooks, wo er ausgiebig über all diese Dinge philosophiert.

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