Filmische Star Wars Inspirationen – 2001: Odyssee im Weltraum

Stanley Kubricks Sci-Fi Meisterwerk hat in beiden Trilogien deutliche Spuren hinterlassen.

Zum Zeitpunkt seines Filmstarts 1968 entzweite 2001: Odyssee im Weltraum Kritiker und Publikum gleichermaßen. Heute genießt das Werk Kultstatus als einer der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten. George Lucas sagte 1977 selbst: „Stanley Kubrick hat den ultimativen Sci-fi Film gedreht. Ich glaube es wird schwer werden, einen besseren zu machen.“

Aufgrund seiner sehr persönlichen Wirkung und der Tatsache, dass das Ende bei jedem Mal Anschauen scheinbar etwas Neues bedeutet, ist es schwierig, den Inhalt von 2001: Odyssee im Weltraum zu erklären. Ich glaube, sicher sagen zu können, dass es um die Entwicklung der Menschheit vom Ursprung bis zur nächsten Phase der Evolution geht, in der wir den Weltraum erobern und in mit künstlicher Intelligenz konkurrieren.

Die Story von 2001 hat Star Wars kaum direkt beeinflusst, dennoch hat Lucas den Film als „extrem inspirierend“ bezeichnet. Sieht man sich den Film heute an, merkt man auch warum.

Der Film beginnt mit einer „The Dawn of Man/Der Ursprung des Menschen” bezeichneten Sequenz und zeigt den Kampf einer Affenhorde – kreiert unter der Leitung von Stuart Freeborn. Aufgrund seiner Leistungen in dem Bereich galt er als Legende, weshalb man ihn für Star Wars: Eine neue Hoffnung und beide Nachfolger verpflichtete. Vor allem entwarf und gestaltete er die Yoda-Puppe – angeblich als Mischung aus seinem eigenem Gesicht und dem Albert Einsteins.

Stuart Freeborn entwirft Yoda

Als sich der Film von der Beobachtung der wilden Anfänge des Menschen entfernt, macht er einen radikalen Sprung in die Zukunft. Durch eine Reihe von Aufnahmen aus der Schwerelosigkeit und langer Gespräche erfahren wir, dass die gezeigten Menschen auf dem Weg zu Mond sind. Das Schiff, auf dem sie zur Mondoberfläche reisen, ist zwar riesig, sieht aber von hinten der Fluchtkapsel frappierend ähnlich, die R2-D2 und C-3PO nach Tatooine transportiert. Auch die Aufnahmen des Landeanflugs auf den Mond könnten direkt aus Star Wars stammen.

Im Schiff sehen wir kreisrunde Gänge mit modularer brauner Vertäfelung, die optisch stark an den Millennium Falken erinnern.

Als die Landekapsel den Mond erreicht, sieht man die Clavius Base von einer Klippe aus. Obwohl wir uns im Weltall befinden und die Figuren im Vordergrund Raumanzüge tragen, erstaunt die Ähnlichkeit mit den Aufnahmen von Obi-Wan und Luke, wie sie von oben über Mos Eisley blicken. Die Architektur und Gestaltung der Basis ist sogar in einem von Ralph McQuarries frühen Konzeptentwürfen zu finden.

Entwurf zu Star Wars: Eine neue Hoffnung

Da Lucas bei seinen Filmen gerne auf bestehende Ideen für seine poetische Bildsprache zurückgreift, wird es niemanden überraschen, dass diese Szene aus 2001 auch in einem anderen Moment der Trilogie wiederkehrt. Laut den DVD-Kommentaren – und für jeden offensichtlich, der sich an die Aufnahmen erinnert – ist der Blick von Polis Massa auf die Station, in der Luke und Leia geboren werden, beinahe identisch mit den Aufnahmen von Clavius Base. Mehr noch: beide Szenen zeigen die Wiedergeburt der Menschheit in der Galaxis und enden mit Baby-Bildern.

Polis Massa

Das sind jedoch bei weitem nicht die einzigen optischen Elemente aus 2001, die ihren Weg zu Star Wars gefunden haben. Während der Jupitermission sind gigantische Kapseln im Einsatz, die an das Hauptschiff andocken und zum Reisen und für Missionen benutzt werden. Einer dieser Pods findet sich in Wattos Schrotthaufen auf Mos Esra wieder.

Pod aus 2001: Odyssee im Weltraum

Es existiert auch eine Szene, in der Dave sich außerhalb des Schiffs im Weltraumflug befindet und schwer in seinen Anzug atmet. Dieses Geräusch könnte man beinahe mit Darth Vaders tyischem maskiertem Keuchen verwechseln. An einer anderen Stelle betritt er einen Raum innerhalb des Schiffs, der von rechteckigen roten, abgerundeten Schlitzen beleuchtet wird und sofort an die Kohlenstoff-Gefrierkammer aus Star Wars: Das Imperium schlägt zurück erinnert. Der bunte Lichtstrudel, der den Höhepunkt des Films illuminiert, könnte auch als Vorgeschmack auf den ersten Sprung des Millennium Falken in den Hyperraum gedeutet werden.

Die Special Effects aus 2001: Odyssee im Weltraum, etwa die lautlos durch den Weltraum fliegenden Schiffe, waren auf größte Authentizität getrimmt. Lucas jedoch wünschte sich mehr Dynamik beim Filmemachen und daher lässt sich Star Wars beinahe als Gegenentwurf zu 2001 interpretieren. Wo die Schiffe aus 2001 ruhig, langsam und klobig wirken, erscheinen diejenigen von Star Wars lärmend, flink und wendig. Ohne die Vorarbeit von 2001: Odyssee im Weltraum mag man sich die Tricks aus Star Wars kaum vorstellen. Zudem lässt sich spekulieren, ob der Einsatz klassischer Musik im Vorgänger nicht auch George Lucas einst dazu bewegte, für den Score zu Star Wars auf John Williams zu setzen…

Jenseits hör- und sichtbarer Inspirationen setzte Kubrick außerdem einen Standard, den zu verbessern George Lucas jahrelang anstrebte. In den Tagen nach der New Yorker Premiere von 2001 entschloss sich Kubrick zu einigen Änderungen am Film. Schlussendlich raffte er das Tempo und kürzte den Film um beinahe 20 Minuten, bevor er ihn für eine breitere Veröffentlichung freigab. George Lucas zeigte sich ähnlich zielstrebig bei der Durchsetzung seiner Vorstellungen davon, wie Star Wars aussehen sollte. Seit dem Start 1977 überarbeitete er den Film regelmäßig und nutzte beinahe jede Neuveröffentlichung zu Verbesserungen – Stanley Kubricks großes Beispiel vor Augen.

Wer sich das Meisterwerk ansehen möchte: Kein Problem, er ist ab 12 freigegeben. Dennoch dürften sich jüngere Zuschauer schwertun, bis zum Schluss durchzuhalten. Selbst Erwachsene haben ihre Mühe damit, den Film ganz anzusehen und ihn auch noch zu verstehen! Fans sollten diese Legende dennoch mindestens einmal gesehen haben.

Bryan Young ist Autor,  FilmemacherJournalist und Chefredakteur von BigShinyRobot.com. Zudem gehört er zu den Moderatoren des Star Wars Podcasts Full of Sith. Er ist außerdem auf Twitter aktiv.

SCHLAGWORTE: