Erleuchtete Wesen wir sind: Die grosse Star Wars Halloween Kostümknappheit von 1977

Für mich hat Halloween immer mit einem Besuch in einem Laden begonnen.

Ich ging mit meiner Mama zum Einkaufen, manchmal im September, und bemerkte, dass es mehr Süßigkeiten zu kaufen gab. Meine Mama schob mich weiter. Noch war es nicht soweit, aber es lag was in der Luft – irgendwelche Turbulenzen im Äther des Einzelhandels.

Mit Beginn des Oktobers tauchte plötzlich eine neue Abteilung im Laden auf. Quasi aus dem NICHTS. Was war da vorher gewesen? Bademode? Gartenmöbel? Sonnenmilch? Egal.

Die Kostüme waren geliefert worden.

Auf Bügeln und in Regalen, präsentiert wie moderne abstrakte Kunst, stellten uns Kids die neuen Kostüme vor die größte denkbare Auswahl. Hunderte Male stellten wir uns gegenseitig die gleiche Frage: als was gehst Du? Das war das einzige Fashion-Statement von Bedeutung. Unterhalb all der Kostüme von Der weiße Hai, Fenn – Hong Kong Pfui und Der sechs Millionen Dollar Mann waren die windigen Verpackungskartons der Outfits gestapelt. Sie hatten transparente Folien auf der Oberseite, damit man die Masken darin erkennen konnte. Wir wussten nicht, wer [der Kostümhersteller Anm. der Red.] Ben Cooper war, aber für uns gab es keinen größeren Helden.

Und dann kam Star Wars. Und Halloween war nicht mehr dasselbe.

Ben Cooper Star Wars Kostümverpackung

Plötzlich dachten wir schon im Sommer über unsere Kostüme nach.

Glücklicherweise ging es Ben Cooper (der in Brooklyn eine Kostümfirma aufgezogen hatte) genauso. Und so wurde er 1977 einer der ersten Star Wars Lizenznehmer für Kostüme. Man hatte Erfolg mit Planet der Affen gehabt und versuchte es jetzt eben mit Star Wars. Ein cleverer Schachzug. Die ersten Gehversuche des Unternehmens waren legendär (wie Steve Sansweet schon berichtete). Sie waren unbequem, wahrscheinlich hochbelastet und definitiv künstlerisch fragwürdig. Aber wir fanden sie großartig!

Star Wars Kostümwerbung

Bei Ben Cooper zeigte man Weitsicht, aber mit dieser Popularität hatten nicht einmal diese Propheten gerechnet. In diesem ersten Star Wars Halloween von 1977 waren die Kostüme so beliebt, dass sie schnell ausverkauft waren. Die Agentur AP veröffentlichte Ende Oktober eine Pressemeldung, die sich schnell über das ganze Land verbreitete:

AP Star Wars Pressemeldung

Andere Artikel folgten bald darauf. Einige Läden berichteten, dass mehr Star Wars Kostüme als Kürbisse über den Tresen gingen:

MT Daily Interlake Zeitungsbericht

Eine Star Wars Kostümknappheit im ersten Halloween nach dem Filmstart wäre heute ein gigantisches Marketing-Disaster. Aber damals nicht, zumindest nicht so wie heute. Vielmehr gab es interessante Entwicklungen: die Kids, denen das Chewbacca-Kostüm verwehrt blieb, gaben sich nicht einfach mit irgendeinem anderen Kostüm zufrieden – sie bastelten sich einfach ein eigenes!

Zugegeben, ein Teil dieser Energie stammte von frustrierten Eltern, die mit der Enttäuschung ihrer Kids leben mussten. Aber das war es nicht allein. Wie sonst sollte man sich diese Flut an Bildern selbstgemachter Star Wars Kostüme während der Glanzzeit des Ben Cooper Imperiums erklären (siehe Flickr)? Damals gab es Kostüme für absolut ALLES. Die mangelnde Auswahl war also nicht das Problem, die Kids wollten einfach nur Star Wars.

Also stöberten die Mädchen nach weißen Kleidern, kauften künstliche Zöpfe und zerlegten alte Perücken. Die Jungs nervten ihre Mütter so lange, bis sie ihnen schwarze Westen und Patronengurte zurechtschnitten. Oder sie gingen einfach im Kleiderschrank des Vaters auf Beutefang. Die Resultate sahen nicht immer perfekt aus, hatten aber ihren eigenen ganz besonderen Charme.

Star Wars Halloween 1977 von Michael Murray mcmcph via i09

Deine Mama, Tante oder Oma hatte eine Nähmaschine? Dann konntest Du mit etwas Glück ein echtes Kunstfell-Chewiekostüm Dein eigen nennen, das irgendwie eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Familien-Flokati aufwies.

Original retro Chewbacca-Kostüm

Und wenn Du absolut kein eigenes Star Wars Kostüm zusammenbrachtest? Dann erfand man eben seine eigene Figur. Ich konnte kein Boba-Fett-Kostüm auftreiben, also ließ ich mir meinen eigenen Kopfgeldjäger einfallen. Leider erinnere ich mich nicht mehr an seinen Namen, aber er machte ziemlichen Eindruck. Er war auch Jedi, glaube ich. Und hatte Reißzähne. Wollt ihr meinem zehnjährigen Ich erzählen, dass das nicht dem Kanon entspricht? Komm her, das machen wir jetzt draußen aus, wenn Du Dich traust!

Ricca Privatsammlung

Mein kleiner Bruder ist der Vader mit dem Lichtschwert. Zur Sicherheit trägt er das Undercover-Sweatshirt. Über den Look meiner Schwester breiten wir hier lieber mal den Mantel des Schweigens aus.

Heute kann man einfach lizenzierte Star Wars Kostüme kaufen, die zwischen Commander-Cody-Masken aus Plastik bis zu kompletten Darth Vader Outfits für Tausende Dollar rangieren. Da ist für jeden was dabei.

Jabba-Maske (992586-992586-000)

Damals aber waren wir als Kids einfach nicht wichtig. Wir hatten keinen Einfluss auf unsere Ausbildung, Ernährung oder Kleidung. So war es eben. An Halloween aber hatten wir die Wahl. Und es war toll, auch wenn das Kostüm aus einem Fetzen feuerfester Folie bestand.

Das was und wie war egal. Denn so war Star Wars: schmutzig und klapprig, zusammengehalten von Sicherheitsnadeln und Klebeband, genauso wie der Millennium Falke. Alles war improvisiert. Und diese Ästhetik inspiriert noch heute die ganzen Cosplayer, Bastler und Todesstern-Architekten da draußen.

Damals war das noch Zukunftsmusik. Wichtig war, im Dunkeln vor unseren Eltern mit Taschenlampen in der kalten Nachtluft herumzulaufen.

Und beim Blick nach oben sahen wir die Sterne.

Luminous Beings Are We ist eine monatliche Kolumne über Star Wars und Popkultur von Brad Ricca, dem Autor von Super Boys: The Amazing Adventures of Jerry Siegel & Joe Shuster – The Creators of Superman. Er schreibt außerdem die Comics-Kolumne “Unassuming Barber Shop” auf The Beat. Mehr Infos unter www.brad-ricca.com und auf Twitter unter @BradJRicca.

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