Erforschung der Skywalkers: Der 4. Mai und die kulturelle Bedeutung von Star Wars

Was fasziniert uns so an Jedi-Rittern, Schmugglern, Droiden, Sith und Raumschiffen? Darüber diskutieren Chris Taylor, Pablo Hidalgo und Steve Sansweet.

Erforschung der Skywalkers ist eine exklusive Kolumne, in der die Charaktere und Motive sowie das, was man aus Star Wars lernen kann, aus edukativer, literarischer Perspektive untersucht werden. In dieser besonderen Folge zum 4. Mai wirft StarWars.com einen Blick auf die kulturelle Bedeutung von Star Wars und auf dessen beispielhaftes Vorbild bezüglich der Kraft von Mythen und Geschichten.

Eine richtig erzählte gute Geschichte kann ganze Generationen beeinflussen. Das liegt hauptsächlich daran, dass eine Geschichte ein genaues Porträt dessen darstellt, was wir als Gesellschaft wertschätzen. Sie gibt unsere kulturellen Gebote, Werte und Vorurteile sowie unsere größten Wünsche und Ängste wider. Sie beflügelt unsere Fantasie, entführt uns an weit entfernte, exotische Orte und lässt uns an etwas glauben, das Größer ist als wir selbst.

Es weiß zwar keiner, wann die allererste Geschichte erzählt wurde, aber Wissenschaftler wissen, dass das Geschichtenerzählen schon seit sehr langer Zeit eine große Bedeutung hat. So genossen die frühesten Geschichtenerzähler hohes Ansehen in ihrer jeweiligen Kultur, da sie nicht nur die Welt erklären, sondern auch ein Medium erschaffen mussten, das stark, visuell und unvergesslich sein musste. Das Papier war zu dieser Zeit noch nicht erfunden worden und die Wunder des Universums waren noch nicht erforscht. So waren gute Geschichtenerzähler für den Erhalt der Traditionen einer Kultur unerlässlich. Sie mussten das wiedergeben, was wichtig war und es für Generationen bewahren, um die Kernthemen und -werte ihrer Zivilisation zu erhalten. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstanden die Mythologie und die Kunstform des Geschichtenerzählens.

Star Wars ist vielleicht die Geschichte, die Herz und Verstand unserer Kultur bisher am stärksten bewegt hat. Für viele von uns ist das Werk von George Lucas zu einer neuen Art von Mythologie geworden, die unser Denken über die Welt verändert hat. Star Wars hat nicht nur die Art verändert, wie Kinofilme gemacht, vermarktet und erlebt werden, sondern trifft auch stets den Zeitgeist dessen, warum Geschichten heutzutage noch relevant sind. Star Wars ist nicht nur berühmt für seine visuelle Pracht und die packenden Charaktere, sondern fängt auch die Werte, Träume und Ängste ein, die unsere Gesellschaft ausmachen. Es inspiriert und unterhält uns auf viele einzigartige Weisen. Am 4. Mai feiern wir die Wunder unserer geliebten, weit, weit entfernten Galaxieund denken darüber nach, was Star Wars zu der großen modernen Mythologie unserer Zeit macht.

StarWars.com hat sich mit drei Autoritäten auf dem Gebiet von Star Wars und dem Geschichtenerzählen unterhalten: Chris Taylor (Autor des Buches Wie Star Wars das Universum eroberte), Pablo Hidalgo (Autor und Kreativchef bei Lucasfilm) und Steve Sansweet (Präsident und CEO von Rancho Obi-Wan), um ihre Sicht auf die Bedeutung von Star Wars als große moderne Mythologie kennenzulernen. Jeder von ihnen ist selbst Geschichtenerzähler und sie haben alle dabei geholfen, den erzählerischen Einfluss von Star Wars auf uns zu manifestieren.

Chris Taylor

Chris Taylor: Star Wars ist der erste Mythos, den wir uns als globale Kultur zu eigen gemacht haben. Was diese Kultur aus der Geschichte gemacht hat, ist bemerkenswert. Es ist ein emergentes Verhalten: Fans ziehen aus ihrem Rohmaterial alle möglichen Meme, Geschichten und Verhaltensweisen und übertreffen damit gänzlich die Erwartungen ihrer Schöpfer. Der Mythos entwickelt sich weiter. Was das für die Zukunft heißt, muss jeder selbst herausfinden, aber ich glaube, dass es hilfreich ist, dazu die Geschichte der Märchen in Europa zu betrachten. Geschichten wie die vom Rotkäppchen werden seit Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden Jahren immer wieder neu erzählt. Star Wars ist so universell anwendbar, dass es das Potenzial hat, sehr lange fortzubestehen.

Pablo Hidalgo - Lucasfilm Creative Executive

Pablo Hidalgo: Star Wars ist letzten Endes eine moderne Art, alte Geschichten zu erzählen. Es setzt moderne Techniken und Bilder ein, um einige der ältesten Lektionen unserer kollektiven Mythologie zu verdeutlichen. Es reicht tief in unsere kollektive Geschichte als soziale Wesen hinein, gerät dabei aber niemals zu schwer. Es würzt diese Lektionen mit packenden Abenteuern, inniger Kameradschaft und vor allem einer überschäumenden Energie, die alle Altersstufen anspricht.

Steve Sansweet

Steve Sansweet: Es gibt Filme, über die man redet und die man selbst Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen noch immer wieder guckt, wie zum Beispiel den Zauberer von Oz. Aber das die Filme der Star-Wars-Saga selbst fast 40 Jahre nach Erscheinen des ersten Films noch so im Bewusstsein verankert sind und geliebt werden, setzt sie in eine eigene Kategorie. Wir haben gerade den 400. Todestag von William Shakespeare gefeiert und auch wenn ich kein Wahrsager bin, so würde es mich doch nicht überraschen, wenn man sich an das kulturelle Phänomen, zu dem Star Wars geworden ist, noch in Hunderten von Jahren erinnern würde. Und das liegt zu großen Teilen an den antiken, mehrere tausend Jahre alten Mythen, die vielen Charakteren und Handlungssträngen der Star-Wars-Filme zugrunde liegen. Die Familiengeschichte der Skywalker, die auf der Reise des Helden aufbaut, die Entscheidungen, die wir alle in unseren Leben treffen, die Chance auf Erlösung trotz der niemals endenden Feindseligkeiten in der Welt – das alles hat Star Wars zu einem Prüfstein dessen werden lassen, was wir, über Kulturen, Grenzen und Barrieren hinweg alle in unserem Alltag erleben.

Der 4. Mai ist eine wunderbare Gelegenheit, über den kulturellen Einfluss von Star Wars nachzudenken. Diese weit, weit entfernteGalaxiestärkt die universell anerkannten kulturellen Werte und erinnert uns daran, was uns am Geschichtenerzählen wichtig ist. Es hat sich in unserem kollektiven Bewusstsein festgesetzt, wie alle großen Geschichten und ist die moderne archetypische Blaupause der größten Mythologie unserer Zeit.

Dan Zehr ist Englisch-Lehrer an der Highschool mit einem Abschluss in Pädagogik und betreibt (zusammen mit Co-Moderator Cory Clubb) Coffee With Kenobi, einen Star-WarsPodcast, der sich mit der Saga in Form von kritischen Gedanken, Analysen, Interviews und Diskussionen befasst. Außerdem ist er (als Blue Leader) Mitglied bei Rogues, einem Netzwerk von Lehrern, die Star Wars in den Unterricht einbauen.

SCHLAGWORTE: