Ein Fisch namens Greedo: 10 nach Star Wars benannte Tierarten

Genauso wie Star Wars Charaktere und Kreaturen oft von der Natur unseres Planeten inspiriert wurden, haben sich Wissenschaftler auf der ganzen Welt von Star Wars beeinflussen lassen.

Oft werden neuentdeckte Arten nach ihren Entdeckern, den Fundorten oder ihren körperlichen Besonderheiten benannt. Trotzdem kommt es auch gar nicht selten vor, dass die Forscher ihre jüngst gefundene Spezies nach berühmten oder fiktiven Personen nennen. Deshalb stellen wir euch hier zehn Arten vor, deren Namen von unserer liebsten weit, weit entfernten Galaxis inspiriert wurden:

1. Peckoltia greedoi
Peckoltia greedoi ist eine Unterart der Harnischwelse und lebt im brasilianischen Gurupí-Fluss. Er wurde 1998 entdeckt und ist an seinen dunklen, hervorquellenden Augen und dem Saugmaul erkennbar. Damit ähnelt er dem rodianischen Kopfgeldjäger Greedo. Als Jonathan Armbruster und seine Kollegen vom Auburn University Museum of Natural History ein 2005 gefundenes Exemplar untersuchten, bemerkte sein Mitarbeiter Chris Hamilton, der Fisch sähe aus wie „dieser Kerl aus Star Wars”. Als Armbruster herausfand, wen Hamilton gemeint hatte, war der neue Name für den Fisch schnell gefunden.

Peckoltiagreedoi

2. Han solo
Während mancherorts noch darüber diskutiert wird, wer im Film zuerst geschossen hat, steht Han Solo in der Wissenschaft schon längst als Erster fest. Nicht nur, dass man die Spezies Han solo bereits ein Jahrzehnt vor Peckoltia greedoi ins Leben rief, lebte genau diese Art schon weit vor dem Fisch. Han solo zählt zur ausgestorbenen Klasse der Trilobiten. Die Fossilien von H. solo, der einzigen bisher bekannten Art in der Familie der Han, wurden im Zitai-Gebiet in Südchina entdeckt. Die Original-Publikation besagt, dass die Klasse den Namen der chinesischen Han-Dynastie trägt und die Art nur bedeutet, dass es das jüngste bislang entdeckte Fossil der Familie ist. Der Paläontologe Samuel Turvey behauptete später jedoch, dass seine Freunde ihn dazu herausgefordert hatten, eine Art nach einer Star Wars Figur zu benennen. Han Solos Counterpart im echten Leben, Harrison Ford, darf sich sogar zweier nach ihm benannter Lebewesen rühmen: Die Spinne Calponia harrisonfordi trägt ihren Namen als Dank für seine Hilfe bei einer Lehrfilm-Produktion und die Ameise Pheidole harrisonfordi ist eine Hommage an Fords Einsatz für den Umweltschutz.

3. Tetramorium jedi
Tetramorium jedi ist eine bodenbewohnende Ameise aus der auf Madagaskar vorkommenden Unterart der Myrmicinae. Sie gehört zum T. jedi Artenkomplex, zu der auch die T. avaratra und T. pleganon zählen. Nach den Autoren der Studie, Hita Garcia und Fisher, wurden sie nach den „erfundenen edlen und weisen Wächtern des Friedens aus dem von George Lucas kreierten Star Wars Universum“ benannt.

Tetramoriumjedi

4. Polemistus chewbacca, P. vaderi und P. yoda
Die frühesten Referenzen an Star Wars in der real existierenden Taxonomie stammen aus dem Jahr, in dem Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter in die Kinos kam: 1983. Die Entomologen Menke und Vincent tauften drei neuentdeckte Arten aus der Familie der Grabwespen nach ihren liebsten Star Wars Charakteren: Chewbacca, Darth Vader und Yoda. Zwar sehen die Wespen ihren Namensvettern absolut nicht ähnlich, doch Menke gestand: „ich wollte einfach etwas Humor in die ansonsten doch sehr trockene Wissenschaft der Taxonomie bringen“.

5. Yoda purpurata
Yoda purpurata, der „purpurne Yoda”, gehört zu den Eichelwürmern und lebt im Nordatlantik. Eichelwürmer sind wirbellose Tiere und nahe Verwandte der Seesterne. Man entdeckte den kleinen Jedi-Meister in 2,5 km Wassertiefe mithilfe des ferngesteuerten ECOMAR Tauchroboters, der am Mittelatlantischen Rücken nach neuen Spezies forschte. Der rot-lila gefärbte Wurm trägt Lippen auf beiden Seiten des Kopfes, die die Forscher an Yodas Ohren erinnerten. Also beschloss der Enteropneusta-Spezialist Nicholas D. Holland, die neuentdeckte Gattung nach ihm zu benennen.

Yodapurpurata

6. Albunione yoda
Noch eine Spezies trägt den Namen des berühmten Jedi-Meisters: Die Meeres-Assel Albunione yoda aus der Nähe von Taiwan. Und wieder ist es das Aussehen, das den Namen triggerte, genauer gesagt die „leicht gebogenen, seitlichen Ausbuchtungen am Kopf der Weibchen”, die damit „der Kopfform Yodas mit seinen langen, hängenden Ohren ähnlich sehen“. Damit enden aber auch schon die Ähnlichkeiten, denn diese Assel aus der Familie der Bopyridae lebt als Parasit in den Kiemen von Krebsen.

7. Aptostichus sarlacc
Die Gattung Aptostichus gehört zur Gruppe der Spinnen, die man im Allgemeinen unter dem Namen Falltürspinnen kennt. Diese Achtbeiner leben in unterirdischen Bauten, die sie mit einer Art Korken oder einer Türe mit Angeln verschließen können. Die Spezies Aptostichus sarlacc ist benannt nach dem in Tatooine vorkommenden Räuber, der ebenfalls eine Erdhöhle bewohnt. Sie kommt in Kalifornien vor und ist auch unter dem Namen Sarlacc Falltürspinne bekannt. Von der extrem seltenen Art sind bislang nur zwei Exemplare in der Mojavewüste gesammelt worden.

Aptostichussarlacc

8. Agathidium vaderi
Schwarz, rund und glänzend. Das veranlasste die Entomologen Miller und Wheeler dazu, dieses Mitglied der Familie der Leiodidae nach dem Erz-Bösewicht Darth Vader zu nennen. Agathidium vaderi ist ein Schwammkugelkäfer, der sich von auf verrottender Biomasse wachsenden Pilzen ernährt. Dieselbe Studie erwähnt weitere Schwammkugelkäfer, die in Nord- und Mittelamerika vorkommen und nach ehemals bedeutenden US-Politikern benannt sind.

9. Darthvaderum greensladeae
Darth Vader hat ebenso wie Yoda drei Namensvettern aus dem Tierreich. Neben einer Wespe (4) und einem Käfer (8) existiert auch eine recht ominöse Milbe gleichen Namens in Australien. Bei der Untersuchung von Hornmilben unter dem Elektronenmikroskop im Jahr 1996 dachte Hunt „sofort an Darth Vader, den bösen Antihelden von Star Wars”. Und genau deshalb trägt die neuentdeckte Gattung, der einzig die Spezies Darthvaderum greensladeae angehört, den Namen des Dunklen Lords.

Midichloria

10. Midichloria mitochondrii
Das Bakterium Midichloria mitochondrii ist ein Proteobakterium aus der Ordnung der Rickettsia, die bekannt sind durch ihr Dasein als intrazelluläre Endosymbionten (sie existieren in den Zellen anderer Lebewesen). Diese besondere Spezies lebt in den Eierstöcken weiblicher Zecken der Gattung Ixodes ricinus, wo sie in den Mitochondrien siedelt. Sie sind benannt nach den Midi-Chlorianern, mikroskopisch kleinen Symbionten aus dem Star Wars Universum. Wie die Midichloria mitochondrii mit ihren Wirten kommunizieren ist unklar, sicher scheint nur, dass sie den Zecken nicht die Fähigkeit verleihen, die Macht zu nutzen.

Referenzen

  • 1: Armbruster JW, Werneke DC, Tan M (2015) Three new species of saddled loricariid catfishes, and a review of Hemiancistrus, Peckoltia, and allied genera (Siluriformes). ZooKeys 480: 97-123. (open access)
  • 2: Turvey ST (2005) Agnostid trilobites from the Arenig-Llanvirn of South China. Transactions of the Royal Society of Edinburgh: Earth Sciences 95 (3-4): 527-542. (abstract)
  • 3: Hita Garcia F, Fisher BL (2012) The ant genus Tetramorium Mayr (Hymenoptera: Formicidae) in the Malagasy region — taxonomic revision of the T. kelleri and T. tortuosum species groups. Zootaxa 3592: 1-85. (open access)
  • 4: Menke AS, Vincent DL (1983) Review of the genus Polemistus in the new world (Hymenoptera: Sphecidae). Pan-Pacific Entomologist.
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  • 7: Bond JE (2012) Phylogenetic treatment and taxonomic revision of the trapdoor spider genus Aptostichus Simon (Araneae, Mygalomorphae, Euctenizidae). ZooKeys, 252: 1-209. (open access)
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  • 9: Hunt GS (1996) Description of predominantly arboreal plateremaeoid mites from eastern Australia (Acarina: Cryptostigmata: Plateremaeoidea). Records of the Australian Museum, 48(3): 303-324. (open access)
  • 10: Sassera D, Beninati T, Bandi C, Bouman EA, Sacchi L, Fabbi M, Lo N (2006) Candidatus Midichloria mitochondrii, an endosymbiont of the tick Ixodes ricinus with a unique intramitochondrial lifestyle. International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. 56(11): 2535-40. (abstract)

Kevin Beentjes (Wild Whiphid) ist Molekularbiologe am Naturalis Biodiversity Center im holländischen Leiden. Er ist Herausgeber bei TeeKay-421, einer der Administratoren von Yodapedia und begeistert sich für die Myriaden Außerirdischer Lebensformen in dieser weit, weit entfernten Galaxis.

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