Die ersten Tage der Star Wars Dreharbeiten, Teil 1: Die Originaltrilogie

Wir blicken zurück auf die Momente – und Schwierigkeiten – beim Start der Dreharbeiten von Star Wars: Eine neue Hoffnung, Star Wars: Das Imperium schlägt zurück und Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter.

Im Frühjahr 2014 begannen in Abu Dhabi die Dreharbeiten zu Star Wars: Das Erwachen der Macht. Wenn auch erst der Filmstart zeigen wird, was an diesem 16. März 2014 gedreht wurde, können wir dennoch einen Blick in die Vergangenheit werfen und nachschauen, was damals in den ersten Tagen der Dreharbeiten für die ersten sechs Teile der Saga los war. Wir beginnen mit der Original-Trilogie.

Star Wars: Eine neue Hoffnung  

Nach einer schwierigen Phase der Produktionsvorbereitung, die knapp drei Jahre lang dauerte, und in der es beinahe unmöglich war, ein Studio zu finden, das bereit war, in diesen Film zu investieren, war endlich die Zeit gekommen, die Kameras für Star Wars: Eine neue Hoffnung – damals noch Krieg der Sterne genannt – rollen zu lassen. Cast und Crew hatten sich aus England aufgemacht, ohne die Vorbereitungen gänzlich abgeschlossen zu haben, es gab noch immer Probleme mit einigen Kostümen wie etwa für C-3PO oder die Sturmtruppen, und über dem großen Teich schlug man sich mit technischen Schwierigkeiten herum, um die geforderten Special Effects zu realisieren. Aufreibende Dreharbeiten zeichneten sich für Darsteller und Team ab. Und sie bewahrheiteten sich schon im Moment der Ankunft auf Djerba, wo man eine Nacht Zwischenstation in einem großen Hotel machte. Während das Hotel voller deutscher Touristen war, die ihre Zimmer nicht finden konnten, mussten die Filmemacher um 6.00 Uhr morgens für die lange Fahrt nach Touzeur bereitstehen. Auch die Fahrt selbst erwies sich als schwierig für die Fahrer, denn man konnte die dunkel gekleideten Berber nachts auf der Straße kaum erkennen. In Touzeur stand man vor dem nächsten Problem: das größte Hotel war wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und alle annehmbaren Alternativen waren durch die Beteiligten am Mehrteiler Jesus von Nazareth ausgebucht, ebenso die meisten lokalen Techniker und Mietautos. Das Star Wars Team endete in viertklassigen Absteigen und musste sich die Zimmer zu zweit oder sogar zu dritt teilen. „Das war für zwei Wochen okay“, erinnert sich Produzent Gary Kurtz. „Das konnten wir überleben. Wären es zwei oder drei Monate gewesen, hätten wir eine Meuterei am Hals gehabt.“

Star Wars Dreharbeiten am 22. März 1976.

22. März 1976 – An diesem ersten Drehtag waren folgende Szenen geplant: Ein Teil der Szene, in der Erzwo und C-3PO verkauft werden, sowie Teile der Szene, in der Luke die doppelten Sonnen beobachtet, sowie der Part, in dem C-3PO und Luke aus der Hütte rennen, um nach dem entlaufenen R2-D2 zu suchen. Alle Szenen wurden um das Iglu-Set und die Tretmühlen-Räder des Sandkriechers gedreht, die man auf dem Salzsee von Chott el Jerid nahe Nefta aufgebaut hatte. Drehstart war für 6.30 Uhr geplant, was viel zu früh für Anthony Daniels war. Er hatte nach dem Schlafmangel in Djerba erneut extrem schlecht geschlafen und die zweistündige Anzieh-Prozedur für sein Kostüm trug nicht zur Verbesserung seiner Laune bei. Ganz der Profi schlug er sich aber durch, trotz des viel zu engen Kostüms, das ihn schmerzte, sobald er sich bewegte. Mark Hamill dagegen gefiel sein erster Tag als Luke Skywalker.

Die voreilige Hetze, die Dreharbeiten zu beginnen, erwies sich als weiteres Problem an diesem Tag, insbesondere bei den Astromech-Droiden. Die Produktion entdeckte, dass deren Batterien sich zu schnell entluden und schwer zu ersetzen waren, zudem fuhr Erzwos mittleres Bein nicht aus – egal, was sie versuchten. Außerdem reagierten die Droiden nicht immer auf ihre Fernsteuerung, fuhren also irgendwo hin und blieben nicht stehen. Ein besonderes Problem stellte der rote Droide R5-D4 dar, den Luke fast statt R2-D2s gekauft hätte. Die Crew merkte, dass der explodierende Kopf auch die Steuereinheit für die Bewegungen enthielt, also konnten sie seinen Kopf nicht sprengen. Dennoch guter Dinge an diesen Anfangstagen, überlegten sich Lucas und sein Team kreative Auswege. Also zogen sie R5-D4s Ersatzdroiden an einem Seil durch die Gegend, so dass er sich nicht mehr bewegen musste. Lucas wusste da schon, dass er viele Cuts immer da würde einfügen müssen, wo ein Droide nicht das getan hatte, was er hätte tun sollen.

Der Drehtag endete um 19.20 Uhr nach dem Filmen der Szene, in der Luke und Zeh-dreipeo den entlaufenen Erzwo suchen. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen hatte man die Szene von Lukes Beobachtung des doppelten Sonnenuntergangs verschoben – sie wurde erst am 29. März gedreht. Das miese Wetter am ersten Drehtag war jedoch nur ein Vorgeschmack auf den großen Sturm, der die Produktion später noch plagen sollte, kombiniert mit weiteren Unfällen und Problemen, die George Lucas dazu bewogen, die nächsten beiden Filme nicht mehr selbst zu inszenieren.

Star Wars: Das Imperium schlägt zurück

Wie schon bei Star Wars: Eine neue Hoffnung entschied man sich, auch den Dreh zu Star Wars: Das Imperium schlägt zurück auf einer Location zu beginnen – diesmal war es der Eisplanet Hoth, den man in ein kleines norwegisches Dorf namens Finse verlegte. Aufgrund der neugewonnenen Popularität von Star Wars und dessen Fortsetzung hielt man am 29. Februar 1979 eine Pressekonferenz in Oslo ab, auf der man den Drehbeginn für den folgenden Montag, 5. März 1979 ankündigte. Ebenso wurde verkündet, dass Harrison Ford erst später zur zweiten Drehwoche einfliegen würde, und dass Carrie Fisher auch kommen würde, obwohl sie keine Außenszenen auf Hoth zu drehen hatte – sie wollte die Location-Atmosphäre nicht verpassen.

Über die nächsten beiden Tage verließ das Team nach und nach Oslo, doch wie schon in Tunesien lief auch dieses Mal nicht alles glatt: es gab nicht genügend Boten, um all das Gepäck vom Hotel zum Bus und zum Zug zu schleppen. Das Gepäck selbst war mehr als erwartet – zum Großteil wegen Mark und Marilou Hamill, die Extra-Gepäck im Falle der verfrühten Geburt ihres Sohnes Nathan an der abgelegenen Location eingepackt hatten. Zudem wartete das ganze Team am falschen Gleis auf den Oslo-Bergen-Express und musste zum richtigen Gleis spurten, als man den Fehler bemerkte.

Irvin Kersher und Harrison Ford im März 1979

5. März 1979 – Seit der Ankunft in Finse hatte sich das Wetter kontinuierlich verschlechtert, bis am Wochenende zuvor mehrere Lawinenabgänge Zug-Tunnels verschüttet hatten und die Crew damit von der Außenwelt abgeschnitten war. An der Location selbst wurde schnell klar, dass es aufgrund der Schneestürme unmöglich sein würde, entlang des Gletschers zu den beiden vorbereiteten Sets zu reisen, in denen man zum Beispiel die Schlacht drehen wollte. Nicht, dass das noch einen Unterschied machte: die sorgfältig ausgehobenen Schützengräben waren vom Schnee bereits wieder komplett gefüllt worden.

Trotz bester Vorbereitungen musste der für George Lucas eingesprungene Regisseur Irvin Kershner entdecken, dass die extreme Kälte noch weitere Probleme bereitete: von den Schwierigkeiten, mit Handschuhen Notizen zu machen, bis hin zu eingefrorenen Diktiergeräten und Kameras, deren Linsen sofort beschlugen oder die gar nicht funktionierten. George Lucas‘ Rat, nicht mit einem reibungslosen Dreh zu rechnen, hatte sich als prophetisch erwiesen.

Fest entschlossen, den Dreh im geplanten Zeitrahmen zu vollenden, entschied sich Kershner dazu, hinter dem Hotel mit dem Dreh zu beginnen und bedeutete Mark Hamill, sich für den Dreh vorzubereiten, in der er dem Wampa entkommt und über die Ebenen von Hoth stolpert. Kershner ließ auch Denis Lawson (Wedge Antilles), Peter Mayhew (Chewbacca) und Des Webb (Wampa) sich vorbereiten, doch sie wurden an diesem Tag nicht mehr gebraucht. Eine andere wichtige Entscheidung zur Einhaltung des Drehplans traf Kershner damit, Harrison Ford ans Set zu bitten, um am nächsten Tag mit ihm drehen zu können. Nach einigen Telefonaten schaffte es Ford auf den Nachmittagsflug von London nach Oslo. Zum Zeitpunkt seiner Landung hatten weitere Lawinen Finse jedoch soweit von der Zivilisation abgeschnitten, dass der Drehort nur noch per Schneepflug erreichbar war. Ford erwischte den Zug nach Geilo, einem 30 km von Finse entfernten Ski-Ort. Dort legte er mittels zweier Taxis weitere elf Kilometer Richtung Finse nach Ustaoset zurück. Hier erwartete ihn der Produktionsleiter Bjørn Jacobsen mit dem Schneepflug und einer Flasche Wodka, mit der sie sich die Zeit auf der Rückfahrt verkürzten. Kurz vor Mitternacht erreichten sie mit dem Schneepflug endlich Finse, bereit, am nächsten Morgen um 7.00 Uhr mit dem Drehen zu beginnen.

Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Für Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter entschied sich der neue Regisseur Richard Marquand mit dem Ko-Produzenten Robert Watts dazu, die Dreharbeiten in den EMI Elstree Studios zu beginnen – ein smarter Schachzug, bedenkt man die Schwierigkeiten, die der Drehbeginn auf einer Location bei beiden Vorgängern verursacht hatte. Nach einem genauen Blick auf den Drehplan hatte Marquand beschlossen, zuerst die Sandsturm-Szene in Halle 2 zu filmen. Er wusste zwar, dass diese Szene für die Darsteller nicht einfach werden würde, plante aber, sie in einem Drehtag zu vollenden, um die Halle für die größere – und kompliziertere – Dagobah-Kulisse freizumachen. Die Aufnahmen waren minutiös geplant, die Pressemeldung zur Veröffentlichung im nächsten Morgengrauen vorbereitet, begaben sich Marquand und der Rest des Teams in ihren Londoner Hotels in der Erwartung zur Ruhe, am nächsten Morgen erstmals reibungslos mit den Star Wars Dreharbeiten starten zu können.

George Lucas und Richard Marquand, Carrie Fisher und Harrison Ford, 11. Januar 1982.

11. Januar 1982 – Doch es sollte nicht sein, denn die ersten Probleme starteten, noch bevor alle Beteiligten im Studio eingetroffen waren. Carrie Fisher stellte fest, dass die Heizung in ihrem Zimmer giftige Dämpfe produzierte und das Auto, das Mark Hamill ins Studio transportieren sollte, wurde in der Nacht gestohlen.

Trotz dieser Rückschläge war die Stimmung gut und während die Darsteller in der Maske saßen, machten sich die Ewok-Statisten warm für ihren Einsatz. Der lebensgroße Millennium Falke wurde aus dem Lager herbeigeholt und stand neben einem X-Flügler und jeder Menge Fans mit einer Kork-artigen Substanz in der Hand bereit, die den Sand simulieren sollte. Sobald Marquand „Action!“ gerufen hatte, begannen die Probleme mit R2-D2 erneut: der Droide fuhr überall hin außer in die Richtung, die er einschlagen sollte. Zudem stellten sich die Fans als zu laut und heraus und behinderten die Sicht, so dass ein Kameramann seinen Einsatz verpasste und nichts vom Geschehen filmte. Bei der ohnehin schlechten Sicht für Darsteller und Team hatte es Anthony Daniels aufgrund des Tunnelblicks, den seine C-3PO-Maske verursachte, besonders schwer. Die Proben vor jeder Einstellungen gaben ihm eine ungefähre Vorstellung von der Richtung, in der er laufen musste, doch mit dem Sandsturm in vollem Gange lief er einfach los und es passierte: Plötzlich sah er Crewmitglieder und während er sich noch wunderte, was sie im Bild zu suchen hatten, lief er gegen einen Felsen und fiel um.

Nach dem ersten erfolgreichen kompletten Take wurde kurz gefeiert, bevor man die Szene fertigstellte. Mark Hamill war als Letzter in dieser Szene dran – als einziger Darsteller, der an allen drei ersten Drehtagen zum Einsatz kam. Doch während sich die Schauspieler im Hotel erholten, war der Tag für Marquand und einige andere Kernmitglieder des Teams noch nicht zu Ende. Sie begaben sich in Halle sechs, um Michael Carters finalen Kostümtest als Bib Fortuna zu sehen und letzte Vorbereitungen für den nächsten Drehtag zu treffen.

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