501st German Garrison – Fans im Einsatz für die dunkle Seite

„Der Vorspann rollte über die Leinwand, die erste Szene kam und es war passiert!“: Markus Rau, Commanding Officer des deutschen Ablegers des grössten Star Wars Kostümfanclubs, gibt StarWars.de im exklusiven Interview Einblicke in die Leidenschaft und den Einsatz, mit denen er und seine Mitstreiter bei der 501st German Garrison ihr Hobby betreiben. Auf über 300 Events im Jahr verbreiten die hingebungsvollen Fans der Saga Star Wars-Feeling zum Anfassen und bringen mit ihren eindrucksvollen, liebevoll in Handarbeit gefertigten Kostümen so manches Charity-Projekt voran.

Was ist die 501st German Garrison und seit wann gibt es euch?

Die 501st German Garrison gibt es seit 15 Jahren in Deutschland, seit 17 Jahren weltweit. Wir sind ein Imperialer Kostümfanclub, das heißt: bei uns gibt’s nur die Bösen. Prinzessin Leia oder Chewbacca wird man bei uns nicht finden.

Wie viele Mitstreiter habt ihr?

Wir haben mittlerweile aufgrund des großen Erfolges und der Arbeit, die wir in den Club stecken, über 7.000 Mitglieder weltweit und über 500 in Deutschland. Das hört sich im Hinblicke auf Abermillionen Star Wars-Fans auf den ersten Blick nach gar nicht so viel an. Man muss aber wissen, dass die 501st und damit auch die German Garrison einen extrem hohen Standard pflegen. Bei uns gibt es kein Kostüm, das dem Vorbild aus dem Film nicht 1:1 entspricht. Mal kurz ein Kostüm kaufen und Mitglied werden ist also nicht. Bei uns ist das Ganze mit relativ viel Arbeit und Aufwand verbunden, um dem Vorbild auch wirklich zu entsprechen.

Woher kommt der Name 501st?

Das hat tatsächlich gar keinen Bezug zu Star Wars. Albin Johnson, der den Club 1997 gegründet hat, suchte nach einem im griffigen Namen für seine fiktionale Einheit. Wir haben also auch nichts mit der Jeansmarke zu tun, sondern es hört sich schlicht und ergreifend im amerikanischen gut an. Dazu existiert auch kein Vorbild wie etwa der Zellenblock 1138, in dem Prinzessin Leia gefangen gehalten wird.

Wie seid ihr organisiert?

Mit der „Legion“ ist die 501st Legion, also die weltweite Organisation gemeint. In jedem Land, wo die 501st vertreten ist, gibt es je nach Mitgliederstärke entweder eine „Garnison“ oder einen „Outpost“. Wenn man als Land neu anfängt oder z.B. in der Elfenbeinküste aktiv ist, kann man davon ausgehen, dass man einen „Outpost“ vor sich hat. Stark vertretene Länder wie Deutschland, Frankreich oder England sind schnell bei Garnisonsstärke.

Warum habt ihr euch für die Dunkle Seite entschieden?

Ich persönlich fand schon als Kind – ich bin jetzt 43 und hab den Film mit sieben Jahren gesehen – die Kostüme der Dunklen Seite deutlich cooler als die Jedi, etwa Darth Vader und die Sturmtruppen, auch die Kopfgeldjäger. Ich glaube, die Leute stehen einfach mehr auf das Anonyme. Man kann leichter in die Star Wars Welt eintauchen und den Charakter glaubhafter rüberbringen, wenn man den Helm aufhat. Man ist einfach nicht an sein eigenes Gesicht „gebunden“.

Was mache ich, wenn ich lieber ein Jedi wäre?

Da gibt es quasi unsere „Gegenseite“ – was immer klingt, als ob man sich nicht mag, das kann ich nicht bestätigen – das ist die „Rebel Legion“. Die sind von der Struktur vergleichbar mit der 501st, allerdings von den Mitgliederzahlen etwas geringer. Die Rebel Legion ist aber auch von Lucasfilm und Disney offiziell anerkannt und sie stecken genauso viel Herzblut in ihr Hobby wie wir. Wenn wir uns auf gemeinsamen Events treffen, freuen wir uns und gehen abends zusammen was trinken. Da darf man den Filmcharakter nicht ins Privatleben mitnehmen. Wir alle wollen einen guten Job machen, die Kinder und die Eltern erfreuen und Star Wars zum Anfassen rüberbringen. das ist unser Anspruch, den wir meines Erachtens ganz gut erfüllen.

Wie viel Zeit verbringst Du mit der 501st German Garrison?

Das reicht von drei Stunden am Tag bis hin zu ganzen Nächten, weil natürlich viel Organisation dahintersteckt. Als Commanding Officer komme ich gar nicht mehr so oft dazu, das Kostüm anzuziehen, wie ich es gerne möchte. Das ist aber nicht schlimm – ich hab es mir ja selbst ausgesucht. Ich versuche natürlich schon, die Highlights mitzunehmen und davon gibt es viele! Wir sind auf über 300 Events pro Jahr, das muss man sich erst mal vorstellen. Jedes Mitglied, das reiselustig ist und in der Lage, das Hobby mit dem Privatleben und der Arbeit zu koordinieren, könnte jedes Wochenende Kollegen der 501st German Garrison auf einem Event treffen.

Wie viele Kostüme hast Du?

Jeder startet in der Regel mit einem Kostüm, das ist ja auch Grundvoraussetzung: man muss 18 Jahre alt sein und ein entsprechendes, bildakkurates Kostüm sein eigen nennen. Erfahrungsgemäß bleibt’s aber nicht lange bei einem… Das Einsteigerkostüm ist oft ein Stormtrooper oder ein Imperialer Offizier. Das liegt beim Imperialen Offizier vor allem daran, dass es nicht so kostenintensiv ist – ein Kostüm, wie wir es sehen möchten, bewegt sich bei knapp 1.000,- € Euro. Für einen guten Stormtrooper – geschweige denn einen Kopfgeldjäger oder Darth Vader – ist man schnell mehrere Tausend Euro los. Man versucht sein Kostüm immer wieder zu verbessern, zudem tragen die Kostüme auf Events natürlich hin und wieder einen kleinen Schaden davon. Ich selbst habe mittlerweile fünf Kostüme, das sechste ist aus den USA unterwegs.

Das ist also ein bestelltes Kostüm, das gar nicht selbstgebastelt ist?

Seit neuestem gibt es ja einen Star Wars Lizenznehmer, der die Kostüme herstellt. Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass man das Kostüm nach der Lieferung sofort anzieht. Nein, vielmehr ist das zu Beginn noch ziemlich „roh“. Da sind zwar die harten Teile aus ABS-Kunststoff oder Fiberglas enthalten, die müssen aber von uns in Heimarbeit dem Körper angepasst und ausgepolstert werden, eine neue Lackschicht aufgetragen etc… Für den neuen Stormtrooper aus Star Wars: Das Erwachen der Macht, den wir natürlich zum Filmstart fertig haben möchten, rechnen wir in der Regel mit etwa 100 Stunden Arbeit am Kostüm.

Welche Lieblingsfigur hast Du im Star Wars Universum?

Ich hatte schon immer eine Passion für die Nebencharaktere, etwa die Piloten der Imperialen Tankläufer bei der Schlacht um den Eisplaneten – so ein Kostüm habe ich auch. Mir gefielen auch die Kopfgeldjäger, – nicht den klassischen Boba Fett! – sondern das Dinosaurier-Echsenwesen Bossk. Momentan freue ich mich wahnsinnig auf den First Order Stormtrooper aus Star Wars: Das Erwachen der Macht, weil ich ihn vom Design her sehr gelungen finde.

Warum übt Star Wars weltweit solch eine Faszination aus?

Weil es weniger Science Fiction ist, sondern eher eine klassisch märchenhafte Struktur hat: es gibt die Prinzessin, die vom edlen Ritter – Luke Skywalker – gerettet wird, es gibt den großen, bösen Mann. Das ist von Kindern genauso leicht zu verstehen wie von Erwachsenen. Gleichzeitig ist es gelungen, durch die Filme und die Spielzeuge – faszinierenderweise kennen selbst Kinder, die noch zu klein für die Filme sind, durch Dinge wie Lego Star Wars alle Figuren – neue Generationen und Zielgruppen zu erschließen. Auch die Animationsserien wenden sich ja an das ganz junge Publikum. Vom Großvater bis zum Enkel haben alle Spaß daran und ich denke die neuen Filme werden das eher noch verstärken.

Was ist Deine erste Star Wars Erinnerung?

Die erste Szene. Das wird man häufig hören und es ist wirklich so. Man fand schon als Kind Science Fiction cool, aber es gab damals nichts Vergleichbares. Die damalige Science Fiction war ja häufig sehr künstlerisch, siehe Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum, die ja Kinder gar nicht verstehen können. Aber diese erste Szene, in der der Imperiale Sternenzerstörer von rechts unten das kleine Schiff von Prinzessin Leia verfolgt: in dem Moment hatte ich etwas ganz Besonderes für mich entdeckt. Und das hat mich nie wieder losgelassen.

Was hast Du für den Tag geplant, wenn Star Wars: Das Erwachen der Macht in Deutschland startet?

[lacht] Das hängt natürlich von den allgemein in Deutschland geplanten Events ab. Wir arbeiten ja tollerweise sehr eng mit Disney und Lucasfilm zusammen und hoffen, dass es eine Deutschlandpremiere geben wird. Daher hat sich der Club für diesen Zeitraum nichts vorgenommen und hält sich flexibel. Ich für meinen Teil weiß: wenn es eine Deutschlandpremiere gibt, dann sind wir dabei. Aber das wird sicher nicht das einzige Mal sein, dass man sich den Film als Fan anschaut. In den folgenden Weihnachts- und Neujahrstagen möchte man den Film sicher noch das eine oder andere Mal in allen Feinheiten und Einzelheiten kucken, damit man alle Details mitbekommt. Es gibt keine andere Filmserie auf der Welt, die es nach vierzig Jahren nochmal geschafft hat, die Hauptdarsteller wieder vor die Kamera zu bringen und den Fans diesen nie für möglich gehaltenen Traum zu ermöglichen. Das wird sicher ein ziemlich emotionales Erlebnis.

Wie ist die Frauenquote? Gibt es weibliche Sturmtruppler?

Es gibt natürlich weibliche Fans. Erfreulicherweise ist bei uns die Frauenquote vorhanden, ohne dass wir sie in die Höhe treiben müssen. Da gibt es genug weibliche Fans, die auch ohne ihren Partner den Weg zu uns finden. Es gibt auch von genug Charakteren mittlerweile weibliche Versionen, angefangen vom Stormtrooper über Imperiale Offiziere oder selbst damals im Film schon weibliche Kopfgeldjäger. Das ist nicht zu unterschätzen!

Welcher Part ist das Schönste am Engagement in der 501st German Garrison? Das Basteln an den Kostümen, die Auftritte oder das Treffen mit den Gleichgesinnten?

Letzteres. Natürlich verbindet der Star Wars Aufhänger des Clubs nicht nur Generationen, sondern auch ganze Familien und die Mitglieder untereinander. Das wahnsinnig Tolle daran ist aber, dass sich Freunde aus der ganzen Welt gegenseitig bei Events besuchen. Bei jeder Reise verabredet man sich in jeder Stadt vorab mit den 501st-Mitgliedern. Das ist wie eine große Familie mit einem unheimlich engen Zusammenhalt, der diesen Club auch auszeichnet. Wir engagieren uns auch bei Notfällen von Clubmitglieder. Im Fall einer Familie, deren Haus abbrannte, wurde in kürzester Zeit eine Hilfsaktion im Club in die Wege geleitet und nicht darüber nachgedacht, ob man das Mitglied nun kennt oder nicht. Das sind beste Freunde, mit denen man eine Passion teilt. Man schaut ja nicht jedes Mal zusammen Star Wars, sondern macht zusammen Sport oder geht ins Kino und teilt seine Leidenschaft. Und das ist schon etwas Besonderes.

StarWars.de bedankt sich herzlich für das Interview.

Mehr Infos zur 501st German Garrison und der Mitgliedschaft sowie tolle Impressionen von den Events findet ihr auf der Homepage des Clubs.

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